Passgenauigkeit des Sattels

Die Auflagefläche für den Sattel beginnt hinter dem Widerrist (ca. 10.-12. Brustwirbel) und endet vor dem ersten Lendenwirbel. Der Sattel darf nicht am Widerrist drücken und sollte nach Möglichkeit nicht auf den Lendenwirbeln aufliegen. Kopfeisen und ihre unteren Enden (Ortspitzen) zeigen entweder nach vorne, verlaufen gerade oder zeigen nach hinten. Sie können lang oder kurz sein. In der Bewegung rotiert das Schulterblatt. Bei der Streckbewegung drücken nach vorn gerichtete Kopfeisen nun auf den Schulterblattknorpel. Gerade verlaufende Ortspitzen haben immer Kontakt mit dem Schulterblatt, vor allem in der Streckbewegung des Beins. Nach hinten gerichtete Kopfeisen ermöglichen die maximale Schulterfreiheit sowohl in der Aufwärts- als auch in der Rückwärtsbewegung. Das Kopfeisen muss demnach zur Winkelung der Schulter passen. Die Breite des Kissenkanals sollte der Wirbelsäule ausreichend Platz lassen, darf aber nur so breit sein wie die Sattelkissen auf tragfähiger Muskulatur aufliegen. Ein zu breiter Kissenkanal kann die Auflage auf dem Rippenbogen bedingen. Hier befindet sich keine tragfähige Muskulatur. Die Form des Sattelbaums muss zur Rückenform und Winkelung der Schulter passen. Druckspitzen führen häufig zu Blockaden oder Entzündungen. Der Masseschwerpunkt eines Pferdes befindet sich im Widerristbereich. Hier sollte sich auch der Schwerpunkt des Sattels befinden, also diejenige Stelle, an der du als Reiter sitzt. Optisch erkennst du das durch den tiefsten Punkt des Sattels.

Vor einer Sattelanpassung sollte darauf geachtet werden, dass dein Pferd ausreichend Bauchmuskulatur zum „Heben der (Rücken)Brücke“ hat, um ein Verrutschen des Sattels nach vorne zu vermeiden. Fehlt es deinem Pferd an Körperspannung und Kraft den Rücken aktiv aufzuwölben, hängt die “Rückenbrücke” durch. Nicht gerade selten reibt dann der Sattel im Lendenbereich. Dafür spricht z.B. abgeriebenes Fell oder eine kompensatorisch aufgeworfene Lendenpartie. Der Bereich von Widerrist und Sattellage muss muskulär stabil sein, sonst findet der Sattel keinen Halt. Ein Reitpad kann, sollte aber nicht ausschließlich und täglich, verwendet werden. Reitpads oder baumlose Sättel bieten zwar Flexibilität, der Reiter sitzt jedoch aufgrund seines Eigengewichtes mitunter direkt auf der Pferdewirbelsäule.

Bitte beachte, dass sich mit jeder Gewichtszu- bzw. Abnahme sowie im Trainingsverlauf, nach Krankheit bzw. in der Rehabilitation oder im Wachstum und Alter die Körperform und Muskelsilhouette deines Pferdes ändert. Selbst wenn sich der Pferderücken nur wenig verändert, setzt sich mit der Zeit die Polsterung des Sattels. Das Equipment muss zu jedem Zeitpunkt passen, sodass keine Druckspitzen entstehen.

Der Sattel sollte im angegurteten Zustand beurteilt werden. Neben der manuellen und optischen Überprüfung liefern auch die Reaktionen deines Pferdes beim Gurten Hinweise auf die Passgenauigkeit des Sattels.

Unter dem Aspekt einmal ist keinmal, empfehle ich dir bei einer Neuanschaffung den Sattel für mehrere Tage bis 2 Wochen zu testen, ehe du ihn kaufst. So bekommst du in unterschiedlichen Situationen ein Gefühl für den Sattel und die Bewegungen deines Pferdes. In der Regel ermöglicht dir dein Sattler diese “Testphase” gegen Gebühr, die beim Kauf häufig verrechnet wird.

Lass deinen Sattel also regelmäßig von einem Fachspezialisten überprüfen und ggf. anpassen und zwar am stehenden Pferd UND in Bewegung. Mit den o.g. Eckpunkten kannst du deinem Sattler die entsprechenden Infos entlocken, um die Passgenauigkeit und Beschaffenheit deines Sattels gemeinsam mit ihm nachzuvollziehen.