Sommerhitze-Schwitzen-Abkühlen: Wie sich Herz-Kreislauffunktion und Wärmeregulierung bedingen

Thermoregulation beim Pferd
Durch Muskelkontraktion wird Energie erzeugt. Als Nebenprodukt entsteht Wärme, die an die Umgebung abgeleitet wird. Um nicht zu überhitzen, bedient sich der Körper verschiedener Mechanismen der Thermoregulation.

Als thermoneutrale Zone bezeichnet man den Umgebungsbereich, in dem Pferde ihren Wärmehaushalt nicht durch einen veränderten Energiestoffwechsel regulieren müssen. Für ein erwachsenes Pferd liegt dieser Temperaturbereich zwischen -15°C und +25°C. Manch einer mag es kaum glauben, aber gegen Kälte sind Pferde weitaus toleranter als gegenüber Hitze. In diesem Blogbeitrag soll es aber um die Thermoregulation bei Hitze gehen, sodass die winterlichen Kälteaspekte nicht betrachtet werden. Überschreitet die Umgebungstemperatur die obere Range der thermoneutralen Zone (> 25°C), dann steigt auch der Energieumsatz, denn der Stoffwechsel muss folgende Mehraufwendungen vollbringen:
– Haut vermehrt durchbluten
– Schweißbildung

Durch Erhöhung der Körpertemperatur erhitzt sich das Pferd und beginnt zu schwitzen. Der Schweiß wird von der Umgebungsluft aufgenommen und verdunstet. So startet der Kühlvorgang. Die Wetterlage bedingt die Effektivität dieses Kühlmechanismus. Bei trockenem Wetter trocknet auch das Pferd besser ab als bei bereits feuchter Umgebungsluft an schwül-heißen Tagen.

Beim Ausatmen werden CO2 und Wärme (erhitzte Atemluft) ausgeschieden und beim Einatmen durch frische kühle Luft ausgetauscht. Über diesen Mechanismus wird der Körper wiederum gekühlt. Beschleunigt sich die Atmung, signalisiert der Körper damit, dass ihm zu heiß ist. Nachfolgend habe ich dir die P(uls)A(tmung)T(emperatur)-Werte eines gesunden adulten Pferdes aufgeführt. Aus einer Studie [1] geht hervor, dass sich Puls und Körpertemperatur bei Warmblut, Vollblut und Isländern nur geringfügig unterscheiden. Hinsichtlich der Atmung bilden Islandpferde eine Ausnahme. Eine erhöhte Atemfrequenz ist hier normal und kein Zeichen von Erschöpfung.

Puls33-45 Herzschläge/Min
AtmungWB/VB: 11-19 Atemzüge/Min
Isländer: 16-26 Atemzüge/Min
Körpertemperatur37,1 – 37,8°C
Vitalwerte in Ruhe beim gesunden Pferd [1]

Erwärmtes Blut wird über Venen und Kapillaren möglichst nah an die Körperoberfläche geführt, um besser abzukühlen und danach wieder ins Innere zurückgeführt. Bei Pferden mit dünner Haut (z.B. Vollblut) funktioniert dieser Prozess der Wärmekonvektion besser als bei Pferden mit dicker Haut (z.B. Isländer).

Ein weiterer Mechanismus zur Thermoregulation ist die Wärmeleitung. Die warme Körperoberfläche tritt mit kühler Materie in Kontakt. Der heiße Pferdekörper gibt Wärme ab, die kalte Kühlgamasche (z.B. von Stassek) bspw. nimmt die Wärme auf und gibt ihre Kälte wiederum an den Pferdekörper ab.

Gezieltes Training verbessert die Kapazität der Thermoregulierung, indem:

– Fett als Isolierschicht abgebaut wird.
– die Funktion des Herz-Kreislauf-Systems verbessert wird. Dadurch kann die Wärme effektiver über die Blutgefäße abtransportiert werden. Zudem findet Energiegewinnung der Muskelarbeit weitgehend auf aerobem Weg statt. Die Energiegewinnung durch Fettverbrennung produziert weniger Wärme. Mit dem Muskelzuwachs findet nun auch eine effizientere Energienutzung mit weniger Abwärme statt.
– das Reiten in konstantem Tempo das tiefe und regelmäßige Ein- und Ausatmen und damit auch den Wärmeaustausch fördert.

Pferde beeindrucken uns Menschen nicht nur durch ihre imposante Erscheinung oder Höchstgeschwindigkeiten, auch mit ihrer Ausdauerleistung. Bei jeder körperlichen Aktivität erwärmt sich der Körper, denn nur etwa 20-30% der umgesetzten Energie wird in Bewegung investiert [2]. Der Rest wird in Wärme überführt. Dieser Umstand ist insbesondere bei Hochleistungspferden (z.B. Vielseitigkeit, Distanzsport) zu berücksichtigen, denn nur ein Teil der umgesetzten Energie wird in Bewegung investiert, der Rest in Wärme überführt. Um eine Überhitzung (Hyperthermie) des Körpers zu vermeiden, muss diese zusätzlich gebildete Wärme abgeführt werden. Bei starkem Training kann die Körpertemperatur schnell auf über 40°C ansteigen [2]. Eine Temperaturerhöhung um bis 2°C über der Norm betrachtet der Körper noch nicht als „kritisch“. Daher nehmen Wasser- und Elektrolytbedarf mit zunehmender muskulärer Aktivität zu. Die Elektrolyte bestimmen den Säure-Base-Status im Körper. Daraus folgt, dass der Körper nach körperlicher Anstrengung zur Regeneration der Muskulatur den Wasser- und Salzverlust ausgleichen muss.

(Stoffwechsel)Erkrankungen, die den Flüssigkeitshaushalt beeinflussen
Es gibt Pferde, die aufgrund krankhafter Veränderungen keinen Schweiß bilden können (Anhidrose). Das kann z.B. mit der genetisch bedingten Malignen Hyperthermie, Schilddrüsenproblemen oder Cushing einhergehen.

Über den gesamten Körper verteilt liegen Schweißdrüsen, vornehmlich an Schulter, Hals und unten am Bauch. Dauer und Intensität der Bewegung, Luftfeuchtigkeit, Umgebungstemperatur, zirkulierende Luft, Fell, Isolation der Haut (Verteilungsnetz der Blutgefäße, Fettschicht), aber auch die Reizempfänglichkeit und Weiterleitung beeinflussen die Produktion der Schweißmenge [2].

Qualität der ArbeitEnergieumsatz rel. zum ErhaltungsbedarfLeistungsbedarf [MJ/Tag]Schweiß [l]Verdunstungsenergie [MJ]
leicht1,16,512,4
moderat1,32037,2
mittel1,533614,4
schwer2,0651228,8
sehr schwer2,5982252,8
Orientierungswerte: Schweißbildung bei einem Pferd (600 kg Körpergewicht) bei unterschiedlichem Energieumsatz [2; 4]
Merkmal KörperoberflächeSchweißmenge [%] des KörpergewichtsSchweißmenge [l] bei 600 kg Pferd
Fläche unter dem Sattel teils trocken, teils dunkle, klebrige, feuchte Areale; Halsbereich klebrig, Flanken dunkler als in Ruhezustand 0,2-0,71-4
Fläche unter dem Sattel und Haut im Halsbereich nass, kleine weißliche Areale am Rand unter der

Sattelauflage, Reibungsflächen zwischen Hals und Zügel sowie an den Innenschenklen evtl. bereits weiß

0,7-1,2>4-7
Trense hinterlässt einen feuchten Abdruck, Hals und Flächen unter den Sattel durchgängig nass, Flanken deutlich feucht >1,2-1,5>7-9
Hals und flanken gänzlich nass; feuchte dunkle Flächen über den Augen, insbesondere bei stark bemusterten Pferden Innenschenkelflächen weiß >1,5-2,0>9-12
Pferde zusätzlich über den Augen und an der Bauchunterseite tropfend nass >2,0-3,0>12-18
Schätzungen der Schweißmengen [nach 5]

Mit dem Hautfaltentest kannst du überprüfen, ob dein Pferd einen extremen Flüssigkeitsmangel hat. Ziehe an der Halsseite mit den Fingern eine Hautfalte ab. Zieht sie sich nicht schnell

Salzleckstein vs. Elektrolytlösung – Hinweise zum Elektrolytbedarf
Bei gravierenden Schweißverlusten ist insbesondere der Bedarf an Natrium, Kalium und Chlor zu berücksichtigen. Vorallem Natrium ist im Rauhfutter oder Weidegras nicht immer in ausreichender Menge vorhanden, sodass wenig kompensatorische „Reserven“ im Falle einer erhöhten Schweißbildung verfügbar sind. Jedes Pferd sollte daher Zugang zu einem Salzleckstein haben, sodass es sich die erforderliche Menge bei Bedarf selbst abholen kann [2]. Hierfür muss auch stets frisches Wasser zur freien Verfügung stehen. Ergänzende Elektrolytlösungen sollten nur bei einem erheblichen Schweißverlust verabreicht werden [6].

Pferde überhitzen viel schneller als wir Menschen!
Das haben Forscher der Universität Guelph/Kanada [7] herausgefunden. Steigt die Körpertemperatur auf bis zu 41°C kann es für Pferde gefährlich werden. Die Temperatur in der Muskulatur liegt dann bereits bei etwa 43°C, ein Temperaturbereich in dem sich Proteine/Eiweiße bereits zersetzen. Das Pferd läuft Gefahr einen Hitzschlag zu erleiden.
Aber warum ist das so? Das Pferd besitzt eine viel größere Muskelmasse (muss es als Fluchttier auch), die während des Trainings zusätzlich Energie in Form von Wärme erzeugen. Im Verhältnis zur großen Muskelmasse hat das Pferd aber eine recht geringe Körperoberfläche. Kurz und knapp gesagt: Wird mehr Wärme produziert als verdunsten bzw. abgeführt werden kann, dann wird´s brenzlig.

Pferde trinken im Durchschnitt 20-40 l Wasser pro Tag. Bei reduzierter Wasseraufnahme nehmen auch Harnmenge und Harnabsatz ab. Das können die Nieren vorübergehend kompensieren. Gleichzeitig sammeln sich harnpflichtige Substanzen aufgrund fehlender zu filtrierender Flüssigkeit in den Nieren an. Somit besteht eine gewisse Veranlagung (Disposition), dass sich in den harnsammelnden und –ableitenden Wegen Harnsteine (Konkremente) bilden. Durch die Verschiebung des Säuren-Basen-/Elektrolytgleichgewichts leidet auch die Thermoregulation.

Bei großer Anstrengung produziert ein Pferdekörper auch gut und gern mal 20 l Schweiß am Tag, vorausgesetzt das Wetter ist kühl und trocken [2, 4]. An schwül heißen Sommertagen können das auch bis zu 30 l sein. Dann ist die Umgebungsluft nämlich auch feucht und „neuer“ Dampf wird von der Luft ringsum nicht so gut aufgenommen wie bei trockenen Verhältnissen. Der Kühlvorgang wird erschwert. Der Pferdekörper ist wie von einer warmen Wolke umgeben. Der Schweiß kann nicht verdunsten und muss ungenutzt hinabrinnen. Aus energetischer Sicht ist das für einen effektiven Abkühlprozess eine denkbar schlechte Voraussetzung, denn nur etwa 25-30% des Schweißes können überhaupt für den Kühlvorgang nutzbar gemacht werden.

Mit dem Schweiß werden auch Salze (Elektrolyte) ausgeschwemmt. Diese Salze dienen zur Aufrechterhaltung lebenswichtiger Stoffwechselvorgänge innerhalb der Zellen. Ein Mangel führt je nach Ausprägung zu einem deutlichen Leistungsabfall bis hin zu Verkrampfungen der Muskulatur, Herzrhythmusstörungen, Nervenschäden etc. Die Elektrolyte müssen ersetzt werden, um den körpereigenen Salz- und Flüssigkeitshaushalt wieder ins Gleichgewicht zu bringen. Das heißt im Umkehrschluss aber nicht, dass bei jedem schwitzenden Pferd sofort eine Elektrolytlösung erforderlich ist.

Darauf solltest du generell achten
Sorge bei der Unterbringung deines Pferdes für schattige Plätzchen (z.B. Unterstand und Bäume in Offenstall und Weide), sodass dein Pferd selbst wählen kann ob es sich unterstellen möchte oder nicht. Dein Pferd muss immer frisches Wasser und einen Salzleckstein zur Verfügung haben.
Der Salzleckstein besteht aus Natriumchlorid, ein wichtiger Mineralstoff, der für den Flüssigkeits- und Säure-Base-Haushalt deines Pferdes sorgt. Das Pferd kann sich die erforderliche Menge über einen Leckstein selbst abholen und nimmt anders als bei der Gabe über das Krippenfutter nur das auf, was es benötigt. Eine zu hohe Salzmenge kann den Säure-Base-Haushalt durcheinander bringen und zur Übersäuerung führen kann. Der pH-Wert des Blutes sinkt. Der Stoffwechsel kann nicht mehr gegensteuern. Die kann u.a. dazu führen, dass das Calcium aus den Knochen mobilisiert wird und über den Urin verloren geht. Die übermäßige Ausscheidung kann die Nieren zusätzlich belasten. Zudem steht zu viel Salz im Verdacht, die Magenschleimhaut anzugreifen und Stoffwechselerkrankungen (z.B. EMS) zu begünstigen. Bitte beachte, dass es sich hier NICHT um die zusätzliche Salzbereitstellung über eine Elektrolytlösung handelt. Diese sollte wirklich nur bei einer punktuell übermäßigen Schweißproduktion (bspw. im Rahmen eines anstrengenden Trainings in der heißen Sommerzeit) erfolgen!

Hast du ein Robustpferd mit dicker Haut, das evtl. auch im Sommer zu einem dicken Fellkleid neigt oder ein älteres Pferd, bei dem der Stoffwechsel verrückt spielt (z.B. Cushing Syndrom) und sich der Fellwechsel wie Kaugummi in die Länge zieht? Dann kann es sinnvoll sein, solch ein Pferd im Sommer zu scheren und ihm bei der „Entlüftung“ (z.B. „Entlüftungsstreifen an Brust und Hals) unter die Arme zu greifen.
Bedenke beim Scheren: Je kürzer das Fell, desto kleiner die Oberfläche, desto weniger Schweiß kann verdunsten [6]. Üppige Mähnen kannst du einflechten und damit zur Wärmeentlastung beitragen. Gleichzeitig profitiert dein Pferd von der peitschenden Fliegenabwehr seiner Zöpfe.

Das solltest du im Training beachten
Um die Auswirkungen eines Hitzestaus zu vermeiden, versuche die kühlen Morgen- oder Abendstunden zum Trainieren zu nutzen. Muss dein Pferd dennoch in der sengenden Mittagshitze trainiert werden (z.B. Turnier), dann bereite es schrittweise über mehrere Tage auf die bevorstehende Anstrengung vor. So haben Stoffwechsel und Kreislauf die Möglichkeit, sich den neuen Gegebenheiten anzupassen. Plane für das Abwärmen min. 15-20 Minuten Schritt ein. Idealerweise lockerst du den Gurt oder nimmst den Sattel ab und führst dein Pferd im Schatten (z.B. Wald) bis sich Atmung und Puls normalisiert haben. In der Bewegung wird dein Pferd auch schneller trocken und schwitzt weniger nach, denn die Bewegung fördert die allgemeine Durchblutung und Stabilisierung des Kreislaufs, sodass der Wärmeabtransport durch Verdunstung effizienter abläuft. Die Wärme wird über die Blutgefäße abgeführt, sodass weniger Abwärme entsteht, die in der Umgebung verdunsten muss.

Das solltest du nach dem Training beachten
Hat dein Pferd ein anstrengendes Trainingsprogramm hinter sich und hat aufgrund der körperlichen Anstrengung viel Schweiß abgesondert bzw. Flüssigkeit verloren, dann solltest du ihm eine Elektrolytlösung verabreichen. So kann der Körper wieder ein Gleichgewicht im Elektrolyt- und Flüssigkeitshaushalt herstellen. Die Aufnahme dieser Salze sorgt dafür, dass dein Pferd Wasser trinken wird und so seinen Flüssigkeitshaushalt reguliert. Denn wusstest du, dass ein Elektrolytverlust beim Pferd keine Erhöhung des Durstgefühls auslöst? Sind nicht ausreichend Salze vorhanden, so erhöht sich nämlich nicht automatisch die sogenannte Plasmaosmolalität, eine Messgröße des Körpers zur Beurteilung der Flüssigkeitsbilanz.
Die Supplementierung einer Elektrolytlösung stellt sicher, dass Wasser und ausreichend Mineralstoffe für die Auffüllung der Glykogenspeicher in der Erholungsphase vorhanden sind. Glykogen ist die Speicherform des Zuckers bzw. der Energie im Muskel. Ein Fluchttier muss zu jeder Zeit sofort weglaufen können. Hierfür muss ad hoc Energie aufgewendet werden.

So kühlst du richtig
Beginne möglichst weit weg vom Herzen, d.h. starte von hinten unten (Hinterhufe) und arbeite dich nach vorne oben vor. So kann sich das zirkulierende Blut bereits abkühlen und die Kühlung des Körpers setzt sich in Gang. Lasse die Brust aus, denn hier ist das Herz in die Brusthöhle eingebettet. Spare außerdem die Nierenpartie aus. Die Nieren sind lebenswichtige und sehr gut durchblutete Organe. Ist das Wasser zu kalt, verengen sich die Gefäße und behindern unter Umständen eine ausreichende Blutversorgung dieser Filterorgane. Achte darauf, dass du kein eiskaltes Wasser verwendest und beobachte dein Pferd beim Kühlen. Zuckt es zusammen? Verspannt es sich und macht einen „Buckel“? Schließlich möchtest du deinem Pferd etwas Gutes tun und seine Erholung vorantreiben. Verspannt sich dein Pferd und fühlt sich nicht wohl, ist das seiner Regeneration nicht unbedingt zuträglich. Verwende idealerweise lauwarmes Wasser oder wasche dein Pferd mit einem Schwamm ab. Ziehe überschüssige Flüssigkeit/Schweiß mit dem Schweißmesser ab. Versuche außerdem Wind zu vermeiden, damit sich dein Pferd nicht erkältet.

Foto: pixabay.com
Alternativ freut sich dein Pferd bestimmt über eine kleine Abkühlung im naheliegenden Bach. Wer gerne zu Gimmicks greift, dem kann ich die Kühlgamaschen von Stassek oder auch die Ice Vibes ans Herz legen.

Wenn dein Pferd Kreislaufprobleme hat
Wie bei uns Menschen verändert sich mit zunehmendem Alter auch das Herz-Kreislaufsystem des Pferdes. Die Herzmuskulatur erbringt dann u.a. nicht mehr die erforderliche Kraft, um das Blut effizient im Körper zu verteilen und auszutauschen [3]. Pralle Hitze belastet besonders Fohlen und alte Pferde sehr. Bemerkst du, dass dein Pferd mit Kreislaufproblemen zu kämpfen hat, dann bringe es so schnell als möglich in den Schatten (z.B. in den kühlen Stall). Kann dein Pferd nicht mehr laufen und hat sich abgelegt, dann lass es liegen und versuche mit Hilfe einer Decke, Plane o.Ä. Schatten zu spenden. Kühle seinen Kopf, Nacken und Hals kurzzeitig mit feuchten Tüchern oder Eisbeuteln, um den Kreislauf wachzurütteln. Animiere das Pferd zum Trinken und biete ihm immer wieder Wasser an. Im Notfall sollte es selbstverständlich sein, dass du sofort deinen Tierarzt hinzuziehst. Also, nicht lange fackeln und lieber einmal mehr als zu wenig anrufen!

Literatur

  • [1]: Ihmels S. (2012): Vergleichende Untersuchungen der Vitalparameter bei verschiedenen Pferderassen. Dissertation LMU München.
  • [2] Coenen M. (2017): Elektrolytversorgung, ein Update. 9. Leipziger Tierärztekongress 2016, Tagungsband 2.
  • [3] Bildheim L.-M. (2016): Evaluierung altersabhängiger Veränderungen der Myokardgeschwindigkeit und Myokardverformung mittels Gewebedopplerechokardiographie und Speckle Tracking beim Pferd. Dissertation FU Berlin.
  • [4] GfE Gesellschaft für Ernährungsphysiologie – Ausschuss für Bedarfsnormen: Energie- und Nährstoffbedarf landwirtschaftlicher Nutztiere (2014): Empfehlungen zur Energie- und Nährstoffversorgung von Pferden. Nr. 11, DLG-Verlag.
  • [5] Zeyner A., Romanowski K., Vernunft A., Harris P., Kienzle E. (2014): Scoring of sweat losses in exercises horses – a pilot study. Journal of Animal Physiology and Nutrition, 98 (2), 246-250.
  • [6] Meyer M., Coenen M. (2002): Pferdefütterung. 4. Auflage Parey Buchverlag.
  • [7] Waller A. P., Heigenhauser G. J. F., Geor R. J., Spriet L. L., Lindinger M. I. (2009): Fluid and electrolyte supplementation after prolonged moderate-intensity exercise enhances muscle glycogen resynthesis in Standardbred horses. Journal of Applied Physiology, 106 (1), 91-100.

Fressbremsen – Fluch und Segen zugleich

Nicht alle Pferde haben eine sportliche Figur bzw. einen gesunden Ernährungszustand. Übergewicht kann vielerlei Ursachen haben (z.B. ein gut gemeintes Futterangebot in Kombination mit Bewegungsmangel, Stoffwechselstörungen mit hormonellen Dysbalancen), schadet dem Pferd jedoch mehr als dass es ihm gut tut.

Übergewicht bei Pferden ist ein zunehmendes Problem. Der Stoffwechsel eines Pferdes ist auf kontinuierliche, aber langsame Aufnahme energiearmen Futters ausgelegt. Gleichzeitig muss sich sich das Lauftier Pferd in der Natur dieses Futter durch ständige Bewegung selbst suchen. Aber: Unsere domestizierten Hauspferde leben nicht mehr in der Natur und bekommen ihr Futter direkt auf den Teller serviert. Die gut gemeinten Futterrationen reichen oftmals weit über den Bedarf hinaus bei gleichzeitig mangelnder Bewegung. Übergewichtige Pferde mit deutlichen Stoffwechselproblemen und Hufreheneigung sind keine Seltenheit mehr. Für solche Pferde können Fressbremsen ein wahrer Benefit sein, um mit den Weidepartnern gemeinsam zu grasen.

Der kleine aber feine Unterschied zwischen Maulkorb und Fressbremse
Wenn es um das Thema Übergewicht beim Pferd geht, liest man in Forenbeiträgen häufig von Fressbremsen. Googelt man das Wort Fressbremse erscheinen zahlreiche Fotos von Maulkörben oder „Weidemaulkörben“. Die Begriffe werden oft synonym verwendet. Aber was unterscheidet eine Fressbremse von einem Maulkorb?

Ein Maulkorb hindert das Pferd am Fressen, und zwar komplett. Nach einer Operation oder Zahnbehandlung etwa, wenn die Sedierung oder Narkose noch nachwirkt und die Gefahr einer Schlundverstopfung groß ist, sollten Pferd am fressen gehindert werden. Oder bei einer Kolik mit bspw. Verstopfung, auch da soll die Futteraufnahme zeitweise unterbunden werden.
Mit einer Fressbremse kann ein Pferd fressen, allerdings nur sehr langsam. Der Begriff Fressbremse ist eigentlich selbsterklärend. Die Futteraufnahme wird eingeschränkt, soll jedoch nicht gänzlich verhindert werden.

Pro und Contra Fressbremse
Die langsame Futteraufnahme fördert Kaufunktion und Speichelbildung (Pufferwirkung) und wirkt damit unterstützend auf die Darmtätigkeit. Klingt nach überzeugenden Vorteilsargumenten. Doch wo Vorteile sind, da gibt es auch Nachteile. Fressbremsen mit Kunststoffböden können die Schneidezähne durch Schaben am Material übermäßig abschleifen. Die Pferdezähne sollte man dahingehend im Auge behalten werden und bei Bedarf von einem tierärztlichen Fachspezialisten kontrolliert werden (das sollte man sowieso routinemäßig 1x jährlich machen lassen ;-)).
Je nach Art der Fressbremse sind zusätzliche Riemen zur Befestigung angebracht, die ein „Gefahrenpotential“ für Hängenbleiben (z.B. wenn sich dein Pferd mit dem Hinterhuf am Kopf kratzt) oder Scheuerstellen bilden. Eine Fressbremse hat nicht nur Auswirkungen auf die aufgenommene Futtermenge sondern auch auf das Sozialverhalten deines Pferdes. Je nach Fressbremse können Maul und Nase und damit die Mimik des Pferdes für Herdenpartner mehr oder weniger gut sichtbar sein. Dies birgt Konfliktpotential. Auch gegenseitige Fellpflege ist schiergar unmöglich. Im Laufe des Tages können sich in der Fressbremse Schmutz, Sand, Erde oder Futterreste ansammeln und die Schlitze verstopfen. Die Futter- und Wasseraufnahme wird zusätzlich erschwert oder schlimmer noch verhindert. Ist das Gras zu lang, drückt es das Pferd beim Versuch zu fressen platt und es kommt bei Verwendung von Fressbremsen mit Bodenloch nicht durch das Fressloch. Ist das Gras zu kurz, gelangt es ebenfalls nicht durch das Fressloch oder die Schlitze. Das Pferd wird versuchen energischer zu fressen und beschädigt nicht nur den Boden der Fressbremse sondern im dümmsten Fall die eigenen Zähne. Steigt das Frustrationslevel weiter an, wird das Pferd versuchen seine Fressbremse loszuwerden. Und ich glaube wir alle wissen, wie kreativ Pferde sein können, wenn sie etwas loswerden wollen!

So sitzt die Fressbremse richtig
Den guten Sitz solltest du regelmäßig auf Passgenauigkeit überprüfen (insbesondere am Maul, Jochbein und hinter den Ohren). Ähnlich wie bei der Zäumung kannst du die 2-Finger-Regel anwenden: Zwischen dem oberen Rand der Fressbremse und Pferdenase müssen 2 erwachsene Finger Platz haben. Die Fressbremse und etwaige Befestigungsriemen dürfen nicht so eng anliegen, dass sich Druckstellen abzeichnen. „Lommelig“ locker rumwackeln sollte sie jedoch auch nicht. Das Pferdemaul sollte zum Boden oder der Lochplatte ca. 2,5 cm Platz haben und nicht dauerhaft anliegen. Das Pferd muss sein Maul problemlos und ausreichend weit öffnen können.

Darauf solltest du achten
1. Gewöhne dein Pferd langsam und gründlich an die Fressbremse und beobachte, ob es Anzeichen von Stress oder Unbehagen äußert.
2. Beobachte dein Pferd in der Herde: Wird es in seiner Rolle weiterhin akzeptiert?
3. Überprüfe die Umgebung (Stall/Weide) , in der sich dein Pferd mit der Fressbremse aufhält: Stelle sicher, dass du keine Kanten oder Vorsprünge übersiehst, an denen dein Pferd mit seiner Fressbremse hängen bleiben kann.
4. Behalte Gewicht und Ernährungszustand deines Pferdes im Blick und vermeide eine zu rapide Gewichtsabnahme. Das setzt dem Stoffwechsel deines Pferdes genauso zu wie Übergewicht.
5. Stelle sicher, dass dein Pferd uneingeschränkt Wasser trinken kann und reinige ggf. die Schlitze der Fressbremse.

Welche Fressbremse passt zu meinem Pferd?
Welche Fressbremse für dein Pferd das Nonplusultra ist, musst du wohl selbst ausprobieren. ABER: Du bekommst hier einige Infos zu den gängigsten Modellen.
Der Greenguard besticht durch seine guten Verstellmöglichkeiten und sitzt damit wirklich gut am Kopf. Er kann mit Riemen einfach am Halfter befestigt werden. Der Maulbereich ist durch das Kunststoffgitter nicht vollständig abgedeckt. Atmen, fressen und trinken sind also problemlos möglich. Der EasyGrazer ist aus Biothane gefertigt und daher als „zahnfreundlich“ einzustufen. Außerdem punktet der EasyGrazer mit Sollbruchstellen und ein abnehmbares und waschbares Polster am Nasenrücken, da er im Gegensatz zum Greenguard am Stück (wie ein Halfter) über den Kopf gezogen wird. Die Mimik des Pferdes bleibt weitgehend erhalten. Atmen, fressen und trinken sind auch hier möglich. Auch die Textil-Fressbremse (z.B. von Waldhausen oder Busse) wird als Ganzes über den Kopf gezogen. Sie ist am Boden der Fressbremse mit einem Überkreuz gelegten Gurtband gefertigt. Atmen, fressen und trinken sind problemlos möglich, allerdings ist die Mimik etwas eingeschränkter möglich als bei den vorgenannten, wenngleich nicht so deutlich wie bei der Fressbremse mit Lochplatte als Boden. Hier sind Maul und Nase fast vollständig umschlossen. Mimik und Futteraufnahme sind deutlich eingeschränkter möglich als mit vorgenannten Modellen.

Die Textil-Fressbremse mit überkreuz gelegtem Gurtband ermöglicht eine eingeschränkte Futteraufnahme.
Diese Fressbremse hat ein Loch in der Bodenplatte. Durch das Futterloch kann das Pferd Gras- oder Heuhalme aufnehmen.

Fazit
Eine Fressbremse ist kein Allheilmittel gegen Stoffwechselerkrankungen oder Hufrehe! Sie ist wohl aber ein probates Hilfsmittel zur Gewichtsregulation. Falls du dir unsicher bist ob dein Pferd übergewichtig oder stoffwechselempfindlich ist, sprich mit deinem Tierarzt oder Fütterungsberater darüber ob Weidegang für dein Pferd ein Problem darstellen könnte. Wie lange dein Pferd eine Fressbremse tragen soll oder muss hängt von deinem Pferd bzw. seinen Problem(zonen), seinem Übergewicht und dem Grasangebot ab. Bedenke aber, dass eine Fressbremse niemals eine 24/7-Lösung sein sollte.

Mauke beim Pferd

Als Mauke bezeichnet man eine Entzündung der Haut in der Fesselbeuge des Pferdes. Verschiedene Ursachen können die Widerstandsfähigkeit der Haut beeinträchtigen und das Bakteriengleichgewicht stören. Die Haut wird dünn und rissig. Krank machende (pathogene) Keime gelangen hinein und rufen Hautirritationen hervor.

Als Mauke werden entzündliche Hautprobleme in der Fesselbeuge bezeichnet. “Wandert” die Entzündung weiter nach oben bzw. breitet sich in Richtung Karpal- oder Sprunggelenk aus, spricht man von Raspe.

Erste-Hilfe-Tipps

  • in leichten Fällen Fesselbeuge mit einem sauberen Handtuch kräftig abreiben und anschließend Wundschutzsalbe auftragen (z.B. Bepanthen, EmuPlus/PlantaVet, Zinksalbe)
  • offene, verschmutzte Stellen säubern und desinfizieren (z.B. Jodsalbe)
  • bei schlecht heilender Mauke mit starker Krustenbildung können spezielle Wickelgamaschen mit eingearbeiteten Silberfäden (Silberaktiv- Gamaschen/MuliMann) verwendet werden. Die Innengamasche dieses feuchten Umschlags wird in Wasser getränkt und ans Pferdebein angelegt. Die Silberionen werden herausgelöst und können ihre keimwidrige Wirkung an den aufgeweichten Krusten entfalten. Der Außenwickel nimmt die Feuchtigkeit auf und leitet sie nach außen zur Verdunstung ab (wie eine Abschwitzdecke). Anschließend kann eine spezielle Wollwalkgamasche mit Baumwoll-Leinen-Innentextil (PferdMauke-Gamasche/MuliMann) die betroffenen Hautstellen vor Verletzungen und erneutem Maukebefall schützen. Auch hier sind Silberfäden eingearbeitet, die durch Wundsekret, Haut- und Luftfeuchtigkeit herausgelöst werden und bei der Wundheilung helfen. Die Fesselbeuge ist geschützt, bleibt trocken und die Haut kann dennoch atmen. Die PferdMauke-Gamasche kann auch bei empfindlichen Pferden präventiv angelegt werden.
  • Verbände oder Wickel täglich überprüfen und wechseln, die Haut „lüften“ lassen
  • weitere Reizung vermeiden (z.B. auf reibende Gamaschen/Bandagen oder Sand, der darin hängen bleibt, beim Reiten verzichten)
  • nicht zu häufig waschen
  • ggf. Behang kürzen, sodass die Wunden gezielt behandelt werden können
  • Fütterung optimieren und Nährstoffversorgung überprüfen
  • qualitativ hochwertiges Heu füttern (vom Schnittzeitpunkt älteres Heu vorziehen)
  • Auf Silage und Heulage verzichten. Silage ist häufig keimbelastet und kann zu Darmdysbiosen führen. Zudem sind nicht selten belastende Gehalte an biogenen Aminen (z.B. Histamin) enthalten.
  • Kraftfutter der Arbeitsintensität anpassen
  • keine zusätzliche Gabe von (zuckerhaltigen) Futtermitteln (z.B. Leckerlis, Brot, Äpfel, Möhren usw.)
  • bei stark ausgeprägter und/oder wiederkehrender Mauke empfiehlt sich eine Zinkkur mit einem hochdosierten Monopräparat in organischer Bindungsform (z.B. Orthosal Zink Horse /Navalis, Agrobs Zink pur)
Das Außentextil der PferdMauke-Gamasche besteht aus reiner atmungsaktiver Wolle. Das doppellagige Innentextil besteht aus einem atmungsaktiven Baumwoll-Leinen Mischgewebe mit 6% Silberanteil in Form von eingewebten reinen Silberfäden.
Wundsekret, Haut- und Luftfeuchtigkeit lösen Silberkolloide aus dem Textil, die dann an der betroffenen Stelle ganze Arbeit leisten.

Aufgrund ihrer speziellen Form beliebig weit unten angesetzt werden. Sie bedecken die Fesselbeuge dann vollständig und rutschen nicht.

Symptome

  • schuppige, krustige Haut in der Fesselbeuge, teilweise mit Eiter
  • Haut entzündet und gerötet (teilweise warm)
  • Haarverlust an den betroffenen Stellen
  • nässender, schmieriger Belag
  • bei stark verbreiteten Hautentzündungen Lahmheit möglich

Krankheitsverlauf
Meistens beginnt die Mauke mit leicht geröteten Stellen, die man unter dem Fell je nach Fellfarbe besser oder schlechter erkennen kann. Dann geht das Fell aus und es bilden sich schorfige Krusten, die im ersten Moment auch gern einmal wie Dreck aussehen. Man popelt die Kruste alias Dreck weg und entdeckt darunter eine Wunde. Unbemerkt und unbehandelt kann die Mauke für das Pferd sehr schmerzhaft werden – Schwellungen und Lahmheiten nicht ausgeschlossen.

Ursachen und Auslöser für Mauke
Die Haut umschließt den Pferdekörper wie einen Schutzmantel. Sie ist das „Eintrittspforte“ für Bakterien, Viren oder andere Schädlinge. Ist das Immunsystem im Keller, lässt auch die Elastizität der Haut nach und Bakterien und andere Keime können in kleine Risse eindringen. Jetzt ist die Haut vorgeschädigt und der Weg für Milben oder Pilze geebnet.

Mauke tritt überwiegend im Fellwechsel zum Herbst hin auf und zwar dann, wenn das Wetter von Sonnenschein zu Matsch und Feuchtigkeit wechselt. Das Statement „Mauke bekommen Pferde, die auf unhygienischer Einstreu oder gar auf Matschkoppeln stehen“ hält sich beharrlich. ABER: Warum erkranken auch Pferde, die in fein säuberlichen Boxen stehen und warum kann der Matsch zahlreichen anderen Pferden so gar nichts anhaben? Im Fellwechsel läuft der Stoffwechsel auf Hochtouren. Die Leber als Stoffwechselzentrale des Körpers ist nun vermehrter Belastung ausgesetzt. Die veränderte Stoffwechsellage bringt auch einen erhöhten Nährstoffbedarf mit sich. Zahlreiche Spurenelemente fungieren als Cofaktoren einzelner Stoffwechselvorgänge. Kein Wunder also, dass ein Mehrbedarf an diesen so wichtigen Mikronährstoffen entsteht. Das Spurenelement Zink spielt eine Schlüsselrolle im Haut- und Haarstoffwechsel. Im herbstlichen Fellwechsel bereitet sich der Pferdekörper auf die kalte Jahreszeit vor und bildet ein dichtes Fellkleid aus. Der Nährstoffbedarf steigt an. Pferde mit niedrigem Energiebedarf (z.B. Spezialrassen) sind häufig von Nährstoffmängeln betroffen, da sie meist sehr restriktiv gefüttert werden und oftmals auch die Nährstoffversorgung nicht gesichert ist.

Die Individualität der Fütterung wird deutlich, wenn man beachtet, dass junge, sich im Wachstum befindliche Pferde, ebenso wie trächtige oder laktierende Stute und Deckhengste einen erhöhten Nährstoffbedarf haben. Ähnliches gilt für alte Pferde. Jetzt dominieren abbauende Prozesse, die Leber hat alle Hände voll zu tun. Die sinkende Energiezufuhr tut ihr übriges, der Zinkbedarf ist erhöht. Häufig haben ältere Pferde ein stumpfes Fell, einen verzögerten Fellwechsel, nehmen deutlich an Gewicht ab usw.

  • nicht bedarfsgerechte Fütterung (z.B. zu eiweiß- oder zuckerreich) mit Nährstoffmängeln (v.a. Zink)
  • Entgiftungsfähigkeit des Körpers eingeschränkt
  • Immunschwäche
  • Dauerstress
  • mangelnde und gleichermaßen übertriebene Fellpflege
  • Hygienemängel im Stall und auf der Weide
  • mechanische Reizung der Haut (z.B. durch Sand). Bakterien dingen in kleine Verletzungen in der Fesselbeuge ein und führen zu Entzündungen.
  • anhaltende Feuchtigkeit
  • Allergieneigung
  • Stoffwechselprobleme
  • Milben
  • Pilzinfektionen

Diagnose
Ein Blutbild kann Hinweise auf Versorgungslücken (z.B. Nährstoffdefizite) und Beeinträchtigungen des Stoffwechsels (z.B. Überlastung der Entgiftungsorgane Leber und Niere) liefern. Die Fütterung des Vortages kann das Blutbild erheblich beeinflussen. Nur mit dem drei bis fünftägigen Pausieren der Nährstoffgabe kann sich die sogenannte Homöostase im Blut wieder einpendeln. Aus diesem Grunde sollte zur korrekten Erhebung und Interpretation von Mineralstoff-, Spurelenelement- oder Vitaminwerten im Blut die Blutabnahme “mineraliennüchtern” erfolgen. Dies bedeutet, dass vor der Entnahme des Blutes eine fünftägige Pause mit mineralisiertem Futter bzw. Mineralien eingehalten worden ist, um wirklich verwertbare Aussagen treffen zu können. Der Zeitpunkt der Blutentnahme sowie die Probenhandhabung nehmen weiterhin Einfluss auf die Laborergebnisse. Idealerweise erfolgt die Blutabnahme morgens vor der Fütterung von Kraft-/Mineralfutter.

Erkrankungen der Entgiftungsorgane Leber und Nieren bleiben häufig lange Zeit unerkannt. Eine Beeinträchtigung der Leber verursacht keine Schmerzen und die Symptomatik ist nicht eindeutig. Die entsprechenden Blutparameter steigen meist erst mit fortschreitender Erkrankung an. Blutanalysen sind Momentaufnahmen. Werte sollten nicht absolut betrachtet werden, sondern in den Gesamtzusammenhang eingeordnet und unter Berücksichtigung von Gesundheitszustand und Symptomatik gedeutet werden.

Mittels Haarproben oder Hautgeschabsel können Pilzinfektionen oder Milben tierärztlich nachgewiesen werden.

Präventive Maßnahmen
Das Pferd zieht den Hauptanteil seiner Energie aus Rauhfutter. In erster Linie sollte der Energiebedarf über Heu, Gras und Stroh sichergestellt werden. Es werden 1,5 -2 kg Heu pro 100 kg Körpergewicht empfohlen. Entsteht eine Versorgungslücke, sollte diese mit einer zusätzlichen Energiequelle geschlossen werden. Um ein genaues Körpergewicht zu gewährleisten, empfiehlt sich, das Pferd 1x jährlich wiegen zu lassen.

Bei erhöhter Proteinzufuhr wird Eiweiß als Energiequelle genutzt. Der Pferdekörper wird durch die Entgiftung und Ausscheidung der Eiweißabbauprodukte unnötig belastet. Dies kann zu Störungen im Wasser- und Mineralhaushalt sowie zu Darmdysbiosen führen. Das Leistungsvermögen des Pferdes wird eher geschwächt. Die Kraftfuttergabe sollte dem tatsächlichen Leistungsbedarf angepasst werden. Um dauerhafte Nährstoffüberdosierungen zu vermeiden, empfiehlt sich die Gabe von Einzelfuttermitteln (z.B. Hafer) als Kraftfutter (anstelle mineralisierter und häufig aromatisierter, konservierungs- und süßstoffhaltiger Mischfuttermittel wie Müsli) plus ein Mineralfutter.

Wiederkehrende Haut-/Fellprobleme wie Mauke deuten auf eine Immunschwäche hin. Auf eine ausreichende Grundversorgung mit Nährstoffen (Mineralfutter) ist zu achten. Ein Blutbild kann Hinweise auf Versorgungslücken und Beeinträchtigungen des Stoffwechsels (z.B. Überlastung der Entgiftungsorgane Leber und Niere) liefern, korreliert aber nicht immer mit der Symptomatik.

Auf ein gutes Mineralfutter mit organisch gebundenen Spurenelementen zur Basisversorgung achten. Organisch gebundene Mineralien und Spurenelemente sind gegenüber anorganischen Verbindungen im Ergänzungsfutter – auch im Punkte der Wechselwirkung – deutlich im Vorteil. Es gibt ausreichende Studien die bestätigen, dass anorganische Komplexverbindungen eine schlechtere Bioverfügbarkeit aufweisen und häufiger unerwünschte Wechselwirkungen entstehen. Eine passende Nährstoffversorgung ist Voraussetzung für die optimale Funktion von Stoffwechselvorgängen. Ein hochwertiges Mineralfutter enthält zudem noch wichtige essentielle Aminosäuren (Proteinbausteine), welche u.a. für den Muskelaufbau und -erhalt von Bedeutung sind.

Die Leber ist die Stoffwechselzentrale des Organismus. Stoffwechselerkrankungen, wechselnde Lebensbedingungen (z.B. Stallwechsel, Transport, Änderungen der Herdenzusammensetzung/Boxennachbar), Nährstoffdefizite und Klimaumschwünge (z.B. Fellwechsel) lassen die Leber auf Hochtouren arbeiten. Um sie vor „Überforderung“ zu schützen empfiehlt sich eine kurweise Unterstützung der Leberfunktion. Der Therapieerfolg bei Erkrankungen wie Mauke, Ekzem, Infektanfälligkeit oder Stoffwechselentgleisungen ist eng mit einem funktionierenden Entgiftungsstoffwechsel verbunden. Daher ist der Therapierfolg nur dann nachhaltig:

– wenn die Ursache des Problems abgestellt wird.
– Verdauungstrakt, Leber und Nieren unterstützt werden.

Bei wiederkehrenden Fell-, Horn- und Hautproblemen empfiehlt sich eine kurweise Unterstützung der Leber (s.o.) in Verbindung mit einem hochwertigen Zink-Monopräparat in organischer Bindungsform (i.d.R. erkennbar an der Wortendung „-chelat“).

Nährstoffwerte sollten nicht absolut betrachtet werden. Das heißt, die Angaben auf dem Herstelleretikett dürfen nicht 1:1 mit den Bedarfswerten verglichen werden. Hier spielt insbesondere die Nährstoffverfügbarkeit und Aufnahmefähigkeit des Pferdekörpers eine Rolle.

Wie für uns Menschen gilt auch für alle Pferde und insbesondere für solche mit Stoffwechselproblemen: Zucker in Maßen und unnötige Kalorien vermeiden! Je nach Trainingszustand und individuellem Pferd kann das bspw. bedeuten:

  • kein Getreide oder Kraftfutter
  • wenn Müsli gefüttert wird auf naturbelassene Inhaltsstoffe achten (z.B. keine chem. Zusätze)
  • keine Leckerlis/Brot
  • Weidezeit verkürzen oder zeitweise Fressbremse verwenden
  • auf Silage/Heulage verzichten. Gegorenes Futter kann aufgrund der Anflutung biogener Amine vorallem bei „Sensibelchen“ zu Verdauungsproblemen und eingeschränkter Immunabwehr führen.
  • Weidepflege und Nachsaat
  • einwandfreie Futterqualität

Behandlung der Mauke
Je früher die Mauke erkannt und sinnvoll behandelt wird, desto schneller der Heilungsverlauf. Vielfach reicht es nicht aus, die Auslöser der Mauke zu ermitteln und abzustellen. Für einen nachhaltigen Erfolg muss die Ursache abgestellt und die Mauke „von innen“ zu behandelt werden. Um die äußeren Umstände besser abfangen zu können, benötigt das Immunsystem dringend einen Push!

Zur Unterstützung der Leberfunktion sollte die Ration des Pferdes überprüft und angepasst werden. Eine veränderte Stoffwechselaktivität wie z.B. im Fellwechsel erfordert eine Modifizierung der Nährstoffversorgung. Leberzellschützende und antioxidative Vitalstoffe aus Mariendistel und Artischocke können zur Unterstützung der Leberfunktion beitragen.

Bei starkem Maukebefall können hartnäckige Krusten mit der SilberaktivGamasche von Mulimann aufgeweicht werden.
Durch die Feuchtigkeit werden Silberkolloide aus dem eingearbeiteten Silberfäden herausgelöst. Sie entfalten nun ihre keimwidrige Wirkung.
Innengamasche anlegen

Fertig angelegter Wickel mit Außengamasche

Weitere diätetische Substanzen können die Lebertherapie sinnvoll ergänzen. Hefezellen fördern die Darmflora und wirken ebenso wie bestimmte Zuckerverbindungen Dysbiosen, entgegen. Gewürzkräuter (z.B. Fenchel, Anis, Kümmel) und Leinsamen regen die Verdauung an. Der Pferdebesitzer kann zwischen Kombinationspräparaten mit unterstützenden Heilkräutern und Nährstoffen als auch Einzelkräutern oder Kräutermischungen wählen. Letztere sollten mit eigenständigen Mikronährstoffpräparaten ergänzt werden. Wasser soll immer zur freien Aufnahme verfügbar sein.

Der Darm ist der Sitz der Gesundheit, denn hier befinden sich 80% der Immunzellen. Eigentlich logisch, dass Verdauungsprobleme eine ganze Reihe von Stoffwechselentgleisungen und Begleitproblemen begünstigen können, oder? Probiotische Mikroorganismen (Bakterienstämme und Hefekulturen) haben gesundheitsfördernde Eigenschaften und helfen beim Wiederaufbau einer gesunden Darmflora. Bierhefe enthält abgetötete Hefezellen (Präbiotika) und darüber hinaus zahlreiche Vitamine (v.a. B-Vitamine), Mineralien, Spurenelemente und Aminosäuren. Die B-Vitamine fördern die Aktivität der Mikroorganismen im Darm und können dazu beitragen, Bakterienungleichgewichte auszugleichen und eine funktionsfähige Darmtätigkeit wieder herzustellen. Die Zugabe von Bierhefen sollte kurweise und nicht dauerhaft bzw. in großen Mengen erfolgen.

Zudem sind am Haut- und Haarstoffwechsel weitere Mikronährstoffe beteiligt (z.B. Biotin, ß-Carotin, Vitamin A, B-Vitamine, Vitamin C, Selen), die ebenso eine wichtige Rolle bei der Immunabwehr spielen. Auf eine ausreichende Versorgung, insbesondere im Fellwechsel, ist zu achten.

Milben und Pilzinfektionen sollten mit einem Spezialshampoo behandelt werden. Um die weitere Verbreitung der Milben zu unterbinden, sollte alles, was mit dem Pferd in Berührung gekommen ist (z.B. Putz-, Sattelzeug) gereinigt und bei Pilzbefall zusätzlich desinfiziert werden. Pilzinfektionen werden zudem mit einer zweimaligen Impfung tierärztlich behandelt

Bei starker Mauke mit hartnäckigem Bakterienbefall kann ein Antibiogramm sinnvoll sein, sodass der Tierarzt das passende Antibiotikum verabreichen kann.

All diesen Auslösern ist gemeinsam, dass sie immer mit einer eingeschränkten Immunabwehr einhergehen. Der Fokus sollte auf dem gezielten Aufbau der Immunabwehr liegen. Gleiches gilt bei Allergieneigung (z.B. Sommerekzem). Die Auslöser für die Allergie können vielfältig sein. Hier geht man nach dem Ausschlussverfahren. Bei der Fütterung beginnend verzichtet man schrittweise auf einzelne Futterkomponenten und beobachtet was passiert. Auch Dauerstress kann als Auslöser das Immunsystem in den Keller fahren lassen. Hier müssen die genauen Hintergründe für den Stress ermittelt und abgestellt werden. Das Pferd kann zunehmend entspannen und ist weniger anfällig für z.B. Mauke.

Neben der Phytotherapie und Nährstoff-Supplementierung hat sich auch die Mykotherapie ihren Platz geschafft. Vitalpilze enthalten bioaktive bzw. stoffwechselregulierende Substanzen und sind reich an Spurenelementen und Vitaminen. Reishi wird eine entgiftende, antientzündliche und antiallergische Wirkung nachgesagt. Zudem wirkt Reishi der Zellvermehrung entgegen und wird deshalb im Kampf gegen Bakterien und Viren und gleichzeitig auch zur Immunstärkung eingesetzt. Agaricus blazei Murrill besitzt zahlreiche immunregulierende Eigenschaften und kann als regelrechter Immunbooster betrachtet werden, wovon nicht zuletzt die Haut profitiert. Auch Hericium besitzt antientzündliche, antiallergische und antibakterielle Eigenschaften und kann zur Abheilung von Hautirritationen beitragen. Bei Hautproblemen kann ebenso kann Chaga aufgrund seiner immunregulierenden und entzündungshemmenden Wirkungen eingesetzt werden.

Die Haltungsbedingungen sollten grundsätzlich pferdegerechten Anforderungen entsprechen. Das heißt u.a., dass die Pferde zumindest mal die Möglichkeit haben müssen, sich wetterfest und matschfrei unterstellen zu können. Hoch frequentierte Bereiche wie Futter- und Wasserstation sollten befestigt oder ausreichend drainiert sein. Box, Auslauf und Weide sollten abgesammelt werden. Das reduziert nicht nur den Keim- sondern auch den Parasitendruck.

Unterstützung im StoffwechselgeschehenMagnetfeldtherapie
Die gepulste Magnetfeldtherapie stärkt die Zellaktivität und sorgt so für eine bessere Versorgung des Gewebes mit Sauerstoff und Nährstoffen. Werden die Zellen besser mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgt, wirkt sich das unmittelbar positiv auf den Stoffwechsel aus. Heilungsprozesse werden angeregt und beschleunigt. Die Magnetfeldtherapie wirkt in erster Linie auf den Parasympathikus. Das ist ein Teil des vegetativen Nervensystems, der diejenigen Funktionen steuert, die für Aufbau und Regeneration des Gewebes zuständig sind. Schwellungen und Entzündungen verschwinden in der Regel schneller, weil der Regenerationsprozess der Zellen gefördert wird. Die Magnetfeldtherapie sollte wie jede andere therapeutische Behandlungsmaßnahme durch einen Therapeuten/Tierarzt begleitet werden, sodass der sinnvolle Einsatz gemeinsam erörtert werden kann.

Fazit
Mauke kann nicht einfach „weggepflegt“ werden und verschwindet dann sang- und klanglos. Der Ursache der Hautprobleme muss zwingend auf den Grund gegangen werden, damit auch nachhaltige Erfolge erzielt werden. Sind die Filter- bzw. Entgiftungssystem des Körpers – Leber, Nieren und Darm – geschwächt, dann ist auch die natürliche Immunabwehr eingeschränkt. Ein intaktes Immunsystem ist die Voraussetzung für eine gesunde, widerstandsfähige Haut, in die krank machende Keime erst gar nicht eindringen können. Ein ganzheitlicher Behandlungsansatz stärkt den Körper von innen und unterstützt die Hautregeneration von außen. Präventive Begleit- und Managementmaßnahmen sorgen dafür, dass die Mauke auch zukünftig nicht wiederkehrt.

Darmprobleme beim Pferd

Ich habe einen neuen Artikel geschrieben. Diesmal geht es um das Thema DARMPROBLEME (z.B. Kotwasser). Darmprobleme können zahlreiche Sekundärprobleme mit sich bringen und nicht immer ist das Wohlbefinden des Pferdes augenscheinlich beeinträchtigt. Viele Pferde sind davon mehr oder weniger betroffen, darum möchte ich das Thema mit einem ganzheitlichen Ansatz beleuchten.
Darum geht es in diesem Artikel

Physiotherapeut, Osteopath und Chiropraktiker für Pferde – Wer macht was?

Auf der Suche nach einem geeigneten Physiotherapeuten, Osteopathen oder Chiropraktiker für den geliebten Vierbeiner steht man vor einer riesigen Auswahl an Therapeuten und verliert schnell den Überblick. Begriffe Chiropraktik, Osteopathie und Manualtherapie sind nicht explizit voneinander abgrenzbar und werden häufig synonym verwendet. Das liegt nicht zuletzt daran, dass sich die Behandlungsmethoden mittlerweile überschneiden. In der Humantherapie ist die Manualtherapie eine eigenständige, anerkannte und vom Arzt verordnete Behandlungsform innerhalb des Berufsfeldes der Physiotherapie. Chiropraktik und Osteopathie zählen zu den alternativen Heilverfahren. Die Erlaubnis zur Ausübung ist Ärzten und Heilpraktikern vorbehalten.

Alle drei Berufsbilder haben gemeinsam, dass sie Beschwerden des Bewegungsapparates heilen oder zumindest verbessern und in einer vorangehenden Ganganalyse das Problem lokalisieren. Der Chiropraktiker arbeitet mit schnellen Impulstechniken, der Manualtherapeut mit langsamen Mobilisationstechniken.

Heute räumen wir auf im Dschungel des Gesundheitsdickichts und erklären dir die Gemeinsamkeiten und Unterschiede dieser Berufsbilder.

Voraussetzungen für die Ausbildung zum Pferdephysiotherapeut, -osteopath, -chiropraktiker
Physiotherapeut, Osteopath oder Chiropraktiker für Pferde ist in Deutschland keine geschützte Berufsbezeichnung. Es handelt sich vielmehr um eine Tätigkeitsbezeichnung. Nachfolgend erhältst du einige Tipps, wie du die schwarzen von den weißen Schafen unter den Pferdetherapeuten unterscheiden kannst.
Für die Zulassung zur Ausbildung zum Pferdeosteopathen verlangen renommierte Schulen ein abgeschlossenes Studium der Veterinär- oder Humanmedizin. Zudem werden Human-Physiotherapeuten und –osteopathen zur Ausbildung zugelassen. Die Schule entscheidet über die Zulassung der Bewerber (z.B. DIPO – Deutsches Institut für Pferdeosteopathie, ICREO – International College for Reserach of Equine Osteopathy). Eine gute Schule erkennt man zudem an einem gemischten Dozentenpool aus erfahrenen Reitern, Tierärzten, Hufschmieden und weiteren Fachspezialisten. Der Praxisanteil der Ausbildung sollte mindestens 50% betragen und unter Aufsicht von erfahrenen Dozenten und Assistenten erfolgen. Idealerweise stehen den Schülern mehrere Pferde unterschiedlichen Alters, Rasse und Ausbildungsstandes zur Verfügung. Die Grundkenntnisse werden klar verständlich erklärt und in übersichtlichen Schulungsunterlagen vermittelt. Einige Schulen bieten Aufschulungen zum Pferdeosteopathen für bereits ausgebildete Pferdephysiotherapeuten, Anwärter mit entsprechend medizinisch-naturwissenschaftlicher Vorbildung oder einer dem Berufsbild entsprechenden Vorbildung an. Von Institutionen, die Crashkurse für Jedermann anbieten, sollte man sich als seriöser Anwärter als Pferdetherapeut und als Pferdebesitzer gleichermaßen distanzieren.

Reine Formsache oder was?
Bewegungseinschränkungen und Blockaden manifestieren sich in Schonhaltungen, Muskelverspannungen, Verkrümmungen der Wirbelsäule, eingeschränkter Biegsamkeit und Flexibilität des Rückens. Das kann zu Widersetzlichkeit, Berührungsempfindlichkeit, Kompensations- und Fehlhaltungen führen. Physiotherapeut, Osteopath und Chiropraktiker haben hier z.T. unterschiedliche Behandlungsansätze.

Chiropraktik stammt vom griechischen Wortstamm „cheir“ (=Hand) und „practos“ (=anwenden) ab und bedeutet so viel wie „ mit der Hand praktizieren“. Der Chiropraktiker behandelt überwiegend Wirbelsäule und Becken, deswegen hat er häufig einen Block dabei, den er als Hocker verwendet, um „von oben“ zu arbeiten. Er arbeitet mit schnellen Impulstechniken und idealerweise kurzen Hebelwegen. In der Chiropraktik werden die Manipulationstechniken in der Regel in Extension (durchgestreckte Wirbelsäule) angewendet, wohingegen der Osteopath überwiegend in Flexion (aufgewölbte Wirbelsäule) arbeitet und Mobilisationstechniken den manipulativen Methoden vorzieht.
Ist die Wirbelsäule in ihrer Funktion gestört, hat dies Auswirkungen auf das Nervensystem und den gesamten Organismus. Fixierte Wirbelverlagerungen (Subluxationen) gelten als Ursache verschiedener Erkrankungen. Ist die Austrittsstelle für eine Nervenwurzel verengt, so wird der Nervenstrang komprimiert und das zu versorgende Segment bzw. Organ wird unterversorgt. Durch Lockerung der Muskulatur (als physiotherapeutische Maßnahme) und Reposition (“Einrenken”) werden Bewegungseinschränkungen und Blockaden gelöst. Diese manuellen Behandlungstechniken zielen auf die Gelenkmanipulation mit Fokus auf Subluxationen ab. Als Gelenk wird die mehr oder weniger bewegliche Verbindung zwischen Knochen bezeichnet. Die Position der Knochen wird durch Bänder, Gelenkkapsel und Muskeln stabilisiert. Reicht die stabilisierende Funktion nicht aus (z.B. durch Traumata) können sich die Gelenkflächen gegeneinander verschieben, sie haben dabei jedoch noch teilweise Kontakt zueinander (Subluxation).

– Extremitäten bleiben in der Behandlung häufig unberücksichtigt
– nicht immer wird im natürlichen Bewegungsspektrum des Pferdes gearbeitet.
– häufig Manipulationstechniken verwendet

Osteopathie stammt vom griechischen „osteon“ (=Knochen) und „pathos“ (=Leiden) ab. Der Osteopath erkennt und behandelt Funktionsstörungen getreu dem Motto „Wo Bewegung verhindert wird, macht sich Krankheit breit“. Ähnlich einem Uhrwerk. Können die einzelnen Zahnräder nicht mehr präzise ineinander greifen, stockt das ganze System. Als ganzheitliches Behandlungskonzept spürt die Osteopathie Funktions- und Bewegungseinschränkungen (Schonhaltung, Kompensationsmechanismen) auf und beseitigt diese. Dadurch werden die Selbstheilungskräfte des Körpers aktiviert, die den Patienten wieder zu einem natürlichen Gleichgewicht verhelfen. Im Rahmen dieser sanften manuellen Therapieform werden neben dem Skelettsystem (parietale Osteopathie) auch die Organe (viszerale Osteopathie), Faszien (fasziale Osteopathie) und der sogenannte craniosakrale Rhythmus in die Behandlung einbezogen.

Krankheiten korrelieren mit einer eingeschränkten Eigenbewegung der Körperstrukturen (Muskeln, Faszien, Bänder, Gelenke, Knochen). Die Voraussetzung für Gesundheit ist die Ver- und Entsorgung von Zellen über Nerven, Blutgefäße sowie die Fähigkeit zur Selbstheilung. Narben, Muskelverspannungen bzw. Blockaden stören die Selbstregulation des Körpers und begünstigen Erkrankungen. Durch Abtasten (palpieren) des Körpers werden Dysfunktionen aufgespürt und mittels manuellen Methoden gelöst.

+ Der Körper wird in seiner Gesamtheit betrachtet. Der Osteopath spürt Gesamtzusammenhänge auf und mobilisiert die Knochen und Gelenke in passiver Bewegung.
+ sanfte manuelle Therapieform

In der Physiotherapie werden Funktionseinbußen des Körpers und Bewegungsstörungen gezielt und meist lokal behandelt. Der Wortstamm geht aus dem altgriechischen „physis“ (=Körper) und „therapeía“ (=Heilung, Pflege) hervor. Dabei werden physikalische Maßnahmen zur Heilung und zur Prävention von Krankheiten eingesetzt.

Physikalische Maßnahmen:
– mechanische Reize (Massage)
– thermische Reize (Wärme, Kälte)
– Wasser (Hydrotherapie)
– Strom (Elektrotherapie)

Taping als physiotherapeutische Begleitmaßnahme, um den Behandlungseffekt zu festigen. Foto: Julia Waldenmaier Fotografie

Der Physiotherapeut untersucht die aktive und passive Bewegungsmöglichkeit des Körpers. Er behandelt insbesondere die beweglichen Anteile des Körpers (Muskulatur) und korrigiert Blockaden des Weichteilgewebes durch Lockern der Muskulatur.

Die Manuelle Therapie ist eine Säule der Physiotherapie und umfasst ein breites Spektrum an Behandlungsmöglichkeiten, die sich mit der Behandlung von Funktionsstörungen der Gelenke, Muskeln und Nerven und ihren krankmachenden Folgeerscheinungen befasst, die auf Störungen der Bewegungsabläufe innerhalb eines Gelenks (Arthrokinematik) zurückzuführen sind. Blockaden der Wirbel und Gelenke, die ursächlich für zahlreiche Beschwerden im Körper angesehen werden, sollen mit gezielten Handgriffen behoben werden. Mit Hilfe mechanischer Handgriffe sollen durch Blockaden ausgelöste Schmerzen gelindert und hypomobile Gelenke in ihrer Beweglichkeit verbessert werden.

Man unterscheidet zwischen Mobilisation und Manipulation. Bei der Mobilisation wird ein Gelenkpartner langsam und wiederholt innerhalb seiner Bewegungsgrenzen bewegt (Dehnung). Dabei wird sowohl in die freie als auch in die blockierte Bewegungsrichtung gearbeitet. Die Muskulatur und der Kapsel-Band-Apparat werden dabei gedehnt und gelockert. Im Rahmen einer Manipulation werden kleine, ruckartige Bewegungen ausgeführt, die das Gelenk über die Bewegungsgrenzen hinaus dehnen. Umgangssprachlich werden solche Handgrifftechniken als „einrenken“ bezeichnet – obwohl die Schmerzen normalerweise nicht durch ein „ausgerenktes“ Gelenk ausgelöst werden.

Weder Osteopathie noch Chiropraktik kommen ohne physiotherapeutische Maßnahmen aus. Im umgekehrten Fall ist der Physiotherapeut jedoch nicht zwingend auf Methoden der Osteopathie bzw. Chiropraktik angewiesen.

Die Unterschiede anhand eines Beispiels erklärt
Bei einem Pferd werden Empfindlichkeiten im Nackenbereich festgestellt, Stellung und Biegung sind erschwert.

Der Manualtherapeut testet und beurteilt das Ausmaß der Bewegungseinschränkung und beurteilt die Schmerzhaftigkeit.  Er testet das Gelenkspiel der betroffenen Knochen und der umliegenden Strukturen in ihrer Funktion. Der manuelle Pferdetherapeut arbeitet mit langsamen Mobilisationen des eingeschränkten Gelenks, sorgt für Stabilisation eventueller überbeweglicher Strukturen und verordnet Kräftigungsübungen.

Der Pferdeosteopath stellt einen Zusammenhang zwischen Bewegungseinschränkungen des Kopfes mit einer Mobilitätseinschränkung der inneren Organe und Faszien her. Er untersucht die Eigenbewegung der Organe, beurteilt den Beckenstand und integriert in seine Überlegungen ebenso den Einfluss von Faszienspannungen. Der Osteopath mobilisiert die inneren Organe und deren Aufhängung (viszerale Osteopathie) und das stützende Bewegungs- und Skelettsystem (parietale Osteopathie) je nach Befund mittels Impulstechniken, faszialen Techniken oder craniosakralen Methoden (craniosakrale Osteopathie). Craniosakral praktizierende Therapeuten erspüren, unterstützen und harmonisieren die rhythmischen Bewegungen der Gehirn- und Rückenmarksflüssigkeit, die sich vom Schädel (Cranium) bis zum Kreuzbein (Sakrum) bewegt und das Nervensystem nährt, bewegt und schützt. Im Zuge dessen lösen sich Verspannungen, Schmerzen und Bewegungseinschränkungen. Osteopathen beziehen in ihre ganzheitliche Behandlung nicht nur die körperliche, sondern auch die emotionale und psychische Ebene mit ein.

Der Chiropraktiker untersucht den Bewegungsapparat von oben und unten auf Blockaden, insbesondere im Bereich Becken, Brust- und Halswirbelsäule. Wenn keine ernsthafte Erkrankungen gegen eine Manipulation sprechen, werden Blockaden durch möglichst sanfte, schnelle Impulse gelöst.

Beim Einrenken knackt es
Chiropraktiker arbeiten in der Regel mit schnellen Impulstechniken, auch bekannt als das umgangssprachliche „Einrenken“, welche häufig ein Knacken verursachen. Das Geräusch entsteht wenn zwei durch Unterdruck „verbackene“ Gelenkflächen von einander gelöst werden. Vergleichbar mit zwei Glasplatten, die aneinander haften und gelöst werden.

Schnelle Impulstechniken werden umgangssprachlich aus als Einrenken bezeichnet. Dabei wird der Wirbel durch Zug oder Druck in seiner Stellung verändert, sodass sich die Spannungen an dieser Stelle wieder normalisieren. Die Muskulatur entspannt, das Gelenk wird beweglicher und die Band- Kapselspannung lässt nach. Durchblutung und Lymphfluss normalisieren sich. Doch woher kommt das Knacken? Gelenke bestehen aus mehreren Bauteilen: Knochen als Gelenkpartner, die Gelenkkapsel, Bänder und Muskulatur. Im Inneren des Gelenks befindet sich die Gelenkflüssigkeit (Synovia) im luftleeren Raum. Bänder, Muskeln und weitere Strukturen halten das Gelenk zusammen, so auch der äußere Druck. Verschiebt sich ein Gelenkpartner/Knochen (z.B. durch Trauma, Verspannung, Schonhaltung), ändern sich die Druckverhältnisse im Gelenk und ebenso die Spannungsverhältnisse der zugehörigen Bänder und Muskeln. Die Gelenkbeweglichkeit lässt nach. Durch Manipulation kommt Druck auf das Gelenk, sprich die Gelenkflüssigkeit wird komprimiert oder muss sich ausdehnen, dessen Energie in Form eines Knackens frei gesetzt wird.

Das zeichnet einen guten Therapeuten aus

1. Aufmerksamkeit vom ersten Kontakt an.
Ein seriöser Therapeut nimmt deine Anfrage freundlich entgegen und signalisiert echtes Interesse an der Gesundheit deines Pferdes. Er fragt nach den Beschwerden deines Pferdes um sicherzustellen, dass du beim richtigen Therapeut gelandet bist.

2. Über den grundlegenden Behandlungsablauf informieren.
Du wirst im Vorfeld über die Krankengeschichte deines Pferdes befragt. Gegebenenfalls werden Befunde und Analysen von Fachkollegen geprüft. Darauf richtet der Therapeut seine Behandlung aus. Je umfangreicher die Anamnese (Bestandsaufnahme über den Gesundheitszustand), desto gezielter und individueller kann die Therapie erfolgen. Lieber mehr Information preisgeben als zu wenig!

3. Inspektion, Ganganalyse und Palpation
Bevor der Therapeut los legt verschafft er sich einen ersten Eindruck über den körperlichen Zustand deines Pferdes. Er schaut es sich im Stand an und beurteilt sein Exterieur. Zudem schaut er sich an wie sich das Pferd in den Gangarten Schritt und Trab bewegt, ggf. auch im Galopp. In der Regel lässt man sich das Pferd auf hartem, ebenen Boden vorführen. Manchmal kann es sinnvoll sein, das Pferd auch an der Longe oder bei regelmäßig wiederkehrenden Problemen, auch unter dem Reiter, vorführen zu lassen. Anschließend wird dein Pferd am Körper abgetastet um Problemstellen genauer zu lokalisieren. Dabei achtet man z.B. auch Temperaturunterschiede (Ist eine Stelle wärmer?), Schwellungen (z.B. Beurteilung der Konsistenz von Knötchen in der Sattellage), Beschaffenheit des Fells (Wächst das Fell an einer bestimmten Stelle mehr/weniger/ist es aufgerichtet?), immer auch im Seitenvergleich.

Die Ganganalyse verschafft einen ersten Eindruck über Bewegungsstörungen des Pferdes. Foto: Julia Waldenmaier Fotografie

4. Über die therapeutischen Maßnahmen, eingesetzte Methoden und Risiken informieren.
Nach der Anamnese berichtet dir der Therapeut was er herausgefunden hat und wie die weitere Behandlung erfolgt. Du wirst darüber aufgeklärt, dass möglicherweise eine Erstverschlimmerung auftreten kann oder dein Pferd Muskelkater bekommt.

5. Sanfte Vorgehensweise und kein Hau-Ruck-Verfahren.
In der Regel wird dein Therapeut mit sanften Methoden (z.B. Mobilisation) arbeiten. Hartnäckige Fälle erfordern auch den Einsatz manipulativer Techniken. Denn was sich über einen längeren Zeitraum aufgebaut hat, kann oft in einer Behandlung nicht „mal eben“ gelöst werden.

6. Ein Experte beobachtet dein Pferd ganz genau.
Er achtet auf die Reaktionen deines Pferdes und vermittelt ein gutes Gefühl an das Tier. Er nimmt sich Zeit und verbreitet keine Hektik. Es ist völlig normal, dass ein Pferd mal nicht still steht oder seinen Unmut während einer Behandlung deutlich macht. Damit signalisiert dein Pferd Schmerzen oder Unbehaglichkeiten. Ein seriöser Therapeut geht darauf ein und passt seine Handgrifftechniken entsprechend an.

Pferde merken am Verhalten ihres Gegenübers, wenn etwas Ungewohntes bevorsteht und weil sie früher unangenehme Erfahrungen gemacht haben. Bleibt der Therapeut ruhig und gelassen, so wird sich das i.d.R. aufs Pferd übertragen.

7. Nach der Behandlung ist vor der Behandlung.
Pferde sind wahre Kompensationskünstler, Probleme und Blockaden erscheinen häufig nicht über Nacht, sondern bauen sich vielmehr über längerfristige Schonhaltungen auf. Genau so lange dauert es auch, Probleme nachhaltig in den Griff zu bekommen. Um den Behandlungseffekt zu verstärken, bekommst du Hausaufgaben, also Übung-, Trainings- und Handlungsempfehlungen, die du nach der Behandlung selbständig ausführen musst. Der Therapeut zeigt dir die Ausführung dieser Übungen. Idealerweise bekommst du anschließend einen Behandlungsbericht, der noch einmal eine Übersicht gibt und die Probleme deines Pferdes mit Lösungsvorschlägen aufzeigt.

8. Häufig reicht eine Behandlung nicht aus.
Der Therapeut wird dich darüber aufklären, dass ggf. eine oder mehrere Nachbehandlungen notwendig sind. Er wird über den Therapieverlauf hinaus mit dir im Dialog bleiben, sodass ihr euch über den weiteren Verlauf der Genesung austauschen könnt.  Du informierst ihn über bestehende Beschwerden und über Verbesserungen. Auf diese Weise kann der Therapeut sich selbst reflektieren, seine Methoden überdenken und ggf. modifizieren. Pferde können eben nicht nach Schema F behandelt werden. Was bei dem einen anschlägt, führt beim anderen vielleicht nicht ans Ziel.

9. Ein guter Therapeut hat eine fundierte Ausbildung genossen.
Ein seriös arbeitender Therapeut hat seine Ausbildung zum Physiotherapeuten, Osteopathen oder Chiropraktiker an einer renommierten Schule absolviert. Selbstverständlich heißt das nicht, dass Absolventen anderer Institutionen grundsätzlich schlechte Therapeuten sind.

10. Hand in Hand mit Fachkollegen.
Je besser der Therapeut ausgebildet ist, desto umfangreicher ist sein Behandlungsrepertoire und umso hilfreicher kann er im Einzelfall behandeln. Aber es ist keine Schande, kein Universalgenie zu sein. Man muss nicht alles können und wissen, dafür gibt es wie der Name sagt Fachspezialisten. Ein seriös arbeitender Therapeut arbeitet mit Fachkollegen (z.B. Tierarzt, Hufschmied, Ausbilder) zusammen und leitet dich im speziellen Fall an einen Fachkollegen weiter. Nur wer in den Dialog tritt kann ein maßgeschneidertes Behandlungskonzept anbieten – wissenschaftlich fundiert, gefühlvoll und individuell. Hand in Hand mit Tierärzten und Fachkollegen.
Ein Beispiel: Kanten an den Zähnen können die Kaubewegung bei der Futteraufnahme beeinträchtigen. Eine Kiefergelenkblockade beeinflusst die Kaumuskulatur, welche über kurz oder lang zu Nackenverspannungen führt, die wiederum in den Rücken ausstrahlen können. Die alleine Zahnbehandlung wird ebenso wenig nachhaltig zum Erfolg führen wie die alleine Behandlung durch einen Osteopathen.

Auffälliger, frakturierter Zahn. Die anschließende Untersuchung durch einen Pferdezahnarzt legte das ganze Ausmaß offen. Der Zahn und seine “Reste” wurden aufwändig gezogen.

11. Stillstand ist Rückschritt.
Um stets auf dem aktuellen wissenschaftlichen Stand zu sein und die eigenen Fertigkeiten zu vertiefen, besucht ein seriös arbeitender Therapeut regelmäßig Fortbildungen, reflektiert seine Arbeit und entwickelt sich fachlich weiter.

Osteopathie und Chiropraktik in der Kritik
In Deutschland gibt es derzeit keine einheitliche Ausbildung zum Physiotherapeuten oder Osteopathen für Pferde. Die Berufsbezeichnung ist nicht geschützt. Die Rolle des alternativen Pferdetherapeuten ist dabei umstritten, da sich aufgrund fehlender gesetzlicher Vorgaben nahezu jeder Physiotherapapeut, Osteopath oder Chiropraktiker für Pferde nennen kann, ohne eine medizinische Qualifikation vorweisen zu müssen. Im Gegensatz dazu bietet die Akademie für Veterinäre Chiropraktik (IAVC) Kurse für Tierärzte und Humanchiropraktoren mit Universitätsabschluss an. Manipulative Impulstechniken erfordern besonderes Fingerspitzengefühl und unbedingt anatomische Kenntnisse des Pferdetherapeuten. Damit nicht mehrere Gelenke gleichzeitig beeinflusst werden, müssen die Hebeltechniken kurz und schnell erfolgen. Allein mit Einrenken ist es nicht getan. Bei länger anhaltenden Blockaden muss von einer fehlerhaften Muskelspannung bzw. Abwehrspannung ausgegangen werden. Für einen nachhaltigen Behandlungserfolg muss immer die zugehörige Muskulatur entspannt oder gekräftigt werden, da es sonst häufig zu Rückfällen kommt. Das verbessert die Körperhaltung und fördert die Durchblutung.

Der mündige Pferdebesitzer sollte Mut zur Eigenverantwortung haben und sich im Vorfeld über den ausgewählten Pferdetherapeuten informieren. Er sollte sich ein Bild über die Qualifikationen und Fähigkeiten des Pferdetherapeuten machen und darauf achten, dass der Pferdetherapeut seine Ausbildung an einer anerkannten Schule absolviert hat. Natürlich ist nicht jeder, der seine Ausbildung an einer renommierten Schule absolviert hat, automatisch gut. Gleiches gilt natürlich im Umkehrschluss: Der Abschluss an einer bislang unbekannten Ausbildungsstätte muss die Fähigkeiten des Pferdetherapeuten nicht zwangsläufig degradieren. Deshalb: Beobachte den Therapeuten ganz genau, stelle Fragen wo sich dir Unsicherheit oder Neugier auftut. Lasse dir Handgriffe und Therapieansätze erklären. Der seriöse Pferdetherapeut wird dich darüber hinaus über mögliche Risiken aufklären und dir verschiedentliche Behandlungsmöglichkeiten aufzeigen.

Du kennst dein Pferd am besten!
Achte während der Behandlung auf die Mimik und Gestik deines Pferdes. Seriöse Pferdetherapeuten halten ihre Kosten transparent. Sie wettern nicht gegen Kollegen, kommen in Erklärungsnot oder verweigern die Kooperation mit Fachkollegen. Wirst du unseren kleinen Ratgeber berücksichtigen und mit deinem Bauchgefühl sinnvoll kombinieren, dann wirst du mit großer Wahrscheinlichkeit einen professionellen und einfühlsamen Pferdetherapeuten für deinen Liebling finden, der dir ein offenes Ohr schenkt und auch nicht davor zurückscheut, im Zweifelsfall erfahrene Fachkollegen mit ins Boot zu holen.

Der akribische Pferdetherapeut wird seine Methoden kritisch hinterfragen und stets Hintergrundinformationen wissen. Er versteht anatomische und physiologische Zusammenhänge und wird diese dem Pferdebesitzer bei Bedarf erklären. Probleme lassen sich nicht wegrenken, d.h. Fachleute müssen nach der Wahrheit suchen wollen. Die zwingende Voraussetzung dafür ist, dass sie wissen wie ein Pferd funktioniert und bereit dazu sind, offenen Diskussionen nicht aus dem Weg zu gehen.

Horrorszenario Sehnenprobleme beim Pferd

Wer kennt es nicht: Man kommt in den Stall, Bein dick und warm, Pferd lahm. Oh nein! Gestern war doch noch alles in Ordnung?! Und schon beginnt die große Suche nach der Ursache. Pferde sind wahre Kompensationskünstler! Es ist gar nicht mal so selten (vorausgesetzt man ist nicht Pferdebesitzer einer Diva ;-)), dass Lahmheiten oder Schmerzzustände erst mit zeitlicher Verzögerung vom Besitzer bemerkt werden. Dann hat das Pferd seine gesundheitlichen Einschränkungen bereits seit Längerem über eine Schonhaltung vertuscht um die betroffene Struktur zu entlasten. Andere Strukturen werden dadurch vermehrt beansprucht und die Fehlbelastung ist vorprogrammiert. Doch von Beginn an.

Aufbau einer Sehne
Sehnen bilden das Verbindungsstück zwischen Muskelfasern und den Anhaftungsstellen (Knochen, Bänder, Faszien, Muskeln). Sie sind ein wichtiger Bestandteil der Gelenke und fungieren als Kraftvektoren. Um ein Bein zu bewegen muss die vom Muskel generierte Kraft zum Knochen übertragen werden. Sehnen sind in der Lage diese Energie zu speichern und fungieren quasi wie eine Feder. Sehnen bestehen aus straffen, kollagenen, parallel angeordneten Bindegewebsfasern, die wiederum in Bündel zusammengefasst sind. Kollagenfasern sind sehr zugfest, kaum dehnbar und schlechter durchblutet als Muskeln. Sie sorgen für Stabilität und Belastbarkeit der Sehne. Die Dehnbarkeit einer Sehne liegt um 5%. Bereits bei 8% Überdehnung können Risse (Rupturen) auftreten.

Binde- und Stützgewebe durchzieht den Körper als eine Art netzartige Struktur. Die Bindegewebszellen sind in die sogenannte extrazelluläre Matrix (Gewebe außerhalb der Zellen, im Interzellularraum) eingebettet, welche wie eine lange, vernetzte Telefonleitung zum Informationsaustausch der Zellen dient. Die extrazelluläre Matrix ist bedeutend für die Festigkeit und Form von Stütz- und Bindegewebe und gleichermaßen Träger für Blut, Lymphgefäße und Nervenfasern. Die extrazelluläre Matrix besteht einerseits aus gelartiger Grundsubstanz (u.a. Kollagen, Glykosaminoglykane (z.B. Hyaluronsäure, Chondroitin) und unterschiedlichen Fasern.

Darum sind Pferdebeine so anfällig für Sehnenverletzungen
Schaut man sich ein filigranes Pferdebein einmal genauer an, dann stellt man schnell fest, dass unterhalb des Karpal- und Sprunggelenks eigentlich nur noch sehnige Strukturen zu finden sind. An der Vorderseite des Beines befinden sich die Strecksehnen, an der Hinterseite oberflächliche und tiefe Beugesehne sowie der Fesselträger.

Wir erinnern uns: Sehnen können Energie speichern und diese wie eine Sprungfeder in die Muskulatur entlassen, sodass Bewegungen überhaupt möglich sind. Als Fluchttier muss ein Pferd jederzeit in der Lage sein ohne großen Kraftaufwand blitzartig nach vorne wegzulaufen. Daher ist der Großteil der Muskulatur der Vorderbeine sehnig durchsetzt (M. biceps brachii) oder gänzlich zur Sehne umgebaut (M. interosseus medius – Fesselträger). Anders als Muskeln ermüden Sehnen weniger schnell, sind aufgrund ihrer schlechten Durchblutung und Stützfunktion weniger gut trainierbar.

Die Beugesehnen des Pferdes sind im Stand straff gespannt. Sowohl oberflächliche als auch tiefe Beugesehne haben ein Unterstützungsband, welches mit dem Karpalgelenk verbunden ist. So können Karpalgelenk und Zehengelenke ermüdungsfrei in Ruheposition gehalten werden. Das Fesselgelenk wird über den Fesselträger in einer Streckstellung fixiert. Der Fesselträger teilt sich auf seinem Weg nach unten oberhalb der Gleichbeine und läuft dann paarig über diese hinweg, um sich an der Vorderseite mit der Strecksehne zu vereinigen. Diese passive Stehvorrichtung (an der noch weitere Muskeln beteiligt sind) erlaubt den Sehnen und Spannbändern ein dauerhaftes Stehen und fixiert die Gelenke in einer zum Stehen günstigen Winkelung. Bei Belastung, also in der Stützbeinphase, müssen diese 3 Sehnen das Gewicht des Pferdes (und des Reiters) abfangen, um ein tiefes Durchfesseln zu vermeiden. Beim Springen werden die Beugesehnen während der Landung stark gedehnt, der Fesselkopf kommt dem Boden sehr nahe. Ist jetzt die tragende Muskulatur nicht entsprechend trainiert oder ermüdet, geht die Pufferfunktion verloren und die Sehne muss Gewicht und Bewegungsausmaß abfangen. Gleiches gilt für Manöver in der Dressur, im Reining des Westernsports und auch im Rennsport.

Vereinfachte schematische Darstellung der Zehenbeuger. Oberhalb des Karpalgelenks befinden sich die muskulären Anteile, unterhalb verlaufen sie als sehnige Strukturen.
grün: M. flexor digitalis superficialis (oberflächlicher Zehenbeuger), gelb: M. flexor digitalis profundus (tiefer Zehenbeuger), rot: M. interosseus medius (Fesselträger)

M.= Musculus (Muskel)

Ursachen von Sehnenschäden (Tendopathien)
Sehnenprobleme können unterschiedliche Ursachen haben. Das kann ein einfaches Trauma sein oder viel öfter noch durch Fehlbelastungen und ungenügenden Trainingszustand begünstigt werden. Jungpferde werden häufig sehr früh und/oder zu schnell ausgebildet, obwohl sie körperlich noch gar nicht bereit dafür sind. Untrainierte Pferde, deren Muskulatur (noch) nicht ausreichend stabil ist, haben Problemen nicht nur sich, sondern auch noch den oben sitzenden Reiter auszubalancieren. Hier sei insbesondere der M. serratus ventralis genannt, der die muskuläre Verbindung zwischen Rumpf und Schulterblatt/Pferdebein darstellt. Gemeinsam mit der Brustmuskulatur verhindert dieser Muskel bei korrektem Training, dass der Rumpf /Widerrist nicht zwischen den Schulterblättern absinkt. Die Bewegungen werden zum Schutze Gelenke der Vorhand abgepuffert. An dieser Stelle sei erwähnt, dass dieser Muskel nicht allein für die Stabilität im Rumpf sorgt und Muskulatur nur im Gesamten trainiert werden kann. Ist die Rumpftragemuskulatur nicht ausreichend trainiert, müssen andere Muskelketten und Strukturen übernehmen, die dafür gar nicht bestimmt sind. Dieser kompensatorische Bewegungsablauf führt zu Fehlbelastungen und die weiter unten liegenden, sehnigen Strukturen der Pferdebeine erfahren eine Mehrbelastung. Im weiteren, unbehandelten Verlauf kommt es meist zu einer Schädigung der Sehne. Eine derartige Überbelastung kann auch nach der Rekonvaleszens wie etwa nach einer OP oder einem vorangegangenen Sehnenschaden oder durch Übergewicht entstehen. Zudem sind ältere Pferde besonders anfällig für Sehnenprobleme. Mit zunehmendem Alter verliert die Sehne an Dicke (da untrainierte Muskulatur) und wird damit anfälliger für Verletzungen und Risse, die schon bei leichter Belastung auftreten können.
Nahrungsbausteine sind essentiell für korrekt ablaufende Stoffwechselprozesse. Eine bedarfsgerechte Fütterung trägt maßgeblich zu einem funktionierenden Organismus bei. Zahlreiche Nährstoffe fungieren als Cofaktoren im Sehnen- und Gelenkstoffwechsel. Im Umkehrschluss können Nährstoffunterversorgungen maßgeblich an Problemen von Sehnen, Bändern und Gelenken beteiligt sein.

  • Anschlagen des Beines (z.B. durch Auskeilen an der Boxenwand etwa durch Futterneid, Schlagverletzung durch Auskeilen eines anderen Pferdes auf der Koppel). Dann entsteht ein Bluterguss, der die Sehne marmoriert.
  • Überbelastung (z.B. kompensatorische Bewegungsabläufe, Übergewicht, zu frühes/schnelles Antrainieren eines Jungpferdes oder nach der Rekonvaleszens)
  • mangelhaftes Auf- und Abwärmen
  • Huffehlstellungen und damit Stabilitätsimbalancen
  • gelenknahe Knochenzubildungen (z.B. durch degenerative Gelenkserkrankungen/Arthrosen), welche an der Sehne „reiben“
  • ruckartige, kräftige und schnelle Bewegungen
  • genetische Veranlagung
  • Mangelversorgung in der Fütterung und Aufzuchtfehler
  • (dauerhaft) ungeeignete Bodenverhältnisse

Sehnenschäden erkennen

Nicht immer treten alle Symptome gleichzeitig auf. Je nach Stadium der Verletzung stellen sich akute Entzündungsmerkmale oder vereinzelt unspezifische Symptome ein.

  • lokale Mehrwärme z.T. mit Pulsation
  • Schwellung am hinteren Teil des Röhrbeins bis hin zum Sehnenbogen
  • Druckschmerz
  • einseitige Entlastung des Beins
  • Lahmheit
  • Durchtrittigkeit

Behandlung von Sehnenproblemen

Zur Diagnose und Festlegung des Therapieansatzes sollte unbedingt ein Tierarzt zu Rate gezogen werden. Die tierärztliche Diagnose wird durch Abtasten (Palpation) und Ultraschall gestellt. Es gibt zahlreiche Therapiemöglichkeiten, deren Ziel ein möglichst elastisches Gewebe mit parallel angeordneten Kollagenfasern sein sollte – die wichtigste Voraussetzung für eine ausreichende Stabilität der ausgeheilten Sehne. Der Vollständigkeit halber habe ich nachfolgend einige schulmedizinische Behandlungsansätze kurz aufgeführt. Über die Anwendung sowie Vor- und Nachteile der einzelnen Behandlungsverfahren informiert dich dein Tierarzt.

– Entzündungshemmende und schmerzstillende Medikamente werden v.a. in der akuten Enzündungsphase eingesetzt (starke Schwellung, Lahmheit), z.B. Phenybutazon, Meloxicam, Flunixin-Meglumin
– Injektionscocktail nach Müller-Wohlfahrt: Ein Injektionsgemisch aus entzündungshemmenden, durchblutungsfördernden und Schmerz stillenden Substanzen wird neben die Sehnen unter die Haut gespritzt.
– Transplantation bzw. Injektion von Wachstumsfaktoren: Wachstumsfaktoren sind körpereigene Stoffe, die das Zellwachstum anregen und die Heilung des Sehnengewebes fördern. Dies kann durch körpereigenes Knochenmark oder auch Blutblättchen gewonnenen Wachstumsfaktoren erfolgen. Den Blutplättchen (Thrombozyten) haften bestimmte Wachstumsfaktoren an, welche die Sehnenheilung verbessern können. Unter sterilen Bedingungen wird Blut entnommen. Hieraus werden die Thrombozyten herausgefiltert. Das gewonnene Konzentrat aus Thrombozyten und Wachstumsfaktoren wird unter Ultraschallkontrolle in den Sehnendefekt hineingespritzt
– Stammzellentherapie: Stammzellen nicht sind spezialisierte Zellen, die sich durch Teilung vermehren und zu spezifischen Zellen unterschiedlicher Gewebe entwickeln können, so auch Sehnenzellen. Es entsteht ein dem Originalgewebe ähnliches Sehnengewebe ohne Narbenbildung.
– Stoßwellentherapie: Hierbei werden Stoßwellen mit einer hohen Eindringtiefe erzeugt. Diese erzeugen einen hohen Druck und können gezielt auf den defekten Bereich fokussiert werden. Am Übergang zwischen einem Gewebe mit hoher Dichte (z.B. Knochen) und einem mit niedriger Dichte (z.B. Muskeln, Fett, Bindegewebe) wird Energie aus den Stoßwellen freigesetzt, welche die Zellteilung aktiviert und dadurch die Gewebsregeneration verbessert.

Regeneration einer geschädigten Sehne
Ist durch eine Überbelastung ein Schaden an der kollagenen Sehnenstruktur entstanden, so wirft der Körper seinen Reparaturmechanismus an. Der Heilungsprozess verläuft in mehreren Phasen.

1. Entzündungsphase (bis Tag 5)
Die akute Phase geht mit einer Entzündung des Gewebes und einer pH-Absenkung einher. Der Körper setzt Schmerz auslösende Substanzen frei. Nun versucht der Körper die wichtigsten Gefäße abzudichten, sodass diese für den Nähr-, Bau- und Sauerstofftransport genutzt werden können. Die Kollagenproduktion wird angeregt.

2. Profilerationsphase (Tag 5-21)
Diese Phase ist durch die Neubildung der Zellen gekennzeichnet. Der Körper bildet durch Zellteilung neues Bindegewebe und die Heilung beginnt.

3. Umbauphase (Tag 21-360)
Allmählich formt sich das Bindegewebe neu und das Kollagengerüst stabilisiert sich. Nun wird das in Phase 1 gebildete Kollagen umgewandelt.

Für die Ausheilung von Sehnenschäden braucht der Pferdebesitzer einen langen Atem. So muss man davon ausgehen, dass die vollständige Regeneration bis zum Einsatz im Training mehrere Monate bis zu einem Jahr dauern kann. Heilt eine verletzte Sehne, so bildet sich Narbengewebe. Das Gewebe hat nicht mehr die ursprüngliche Sehnenstruktur. Dies schränkt die Belastbarkeit der Sehnen uns Muskeln ein und kann einen dauerhaften Schwachpunkt des Pferdes bedeuten. Dann fällt das Pferd nämlich schon bei kleinen Fehlbelastungen und Traumata in sein „schwarzes Loch“ zurück und die Sehnen bereitet erneut Probleme.

Sehnen „auf Werkseinstellungen zurücksetzen“ – die Bedeutung der Rehabilitation
Während der Heilungsphase werden längs und querverlaufende Kollagenfasern gebildet (Crosslinks), welche die Mobilität der Sehne einschränken. Die Ruhigstellung fördert einerseits die Produktion von „falsch ausgerichteten“ Fasern, andererseits ist die Produktion der für die parallele Anordnung der Kollagenfasern verantwortlichen Proteoglykane eingeschränkt. Übermäßige Bewegung jedoch auch Gift, da die Entzündung immer wieder aufflammt und sich die Heilungsphase verzögert. Bei einem „Rückfall“ wird der Körper ständig dazu angeregt, weitere Kollagenfasern zu bilden, die sich „wild“ im Gewebe ansetzen und Verklebungen fördern. Es bringt also nichts, das Pferd einfach nur „wegzustellen“ und der Dinge auszuharren.
Eine Schlüsselrolle bei der Behandlung von Sehnenerkrankungen spielt die kontrollierte Bewegung. Absolute Boxenruhe sollte nur in der Akutphase massiver Verletzungen durchgeführt werden. Zwischenzeitlich empfehlen auch die meisten Tierärzte, die Ruhigstellung auf ein möglichst geringes (aber maximal notwendiges) Maß zu reduzieren. Die Pferde sollten sich alsbald möglich auf einem Paddock/Weide frei, aber ruhig, bewegen können. Und wir alle Pferdebesitzer und Reiter wissen: Je größer die Langeweile und je länger der Boxenknast andauert, desto explosiver das Pferdegemüt! Eine ruhige, gleichmäßige Bewegung ist dann kaum noch möglich. Achtung: Die Fütterung sollte dem Erhaltungsbedarf angepasst werden, damit keine „unnötige“ Energie abgebaut werden muss und das verletzte Pferd nicht übermäßig an Gewicht zunimmt, denn auch das ist Gift für die Pferdebeine, müssen sie doch das Gewicht abpuffern.

Die erfolgversprechendste Behandlung wird nur dann einen nachhaltigen Effekt haben, wenn ein entsprechendes Rehabilitationsprogramm eingehalten wird. Dieses sollte unbedingt mit dem Tierarzt und Physiotherapeut für Pferde abgestimmt und auf das jeweilige Pferd maßgeschneidert werden! Wiederholte Ultraschalluntersuchungen sollten die Dokumentation des Heilungsverlaufs begleiten. In der Akutphase und in Abhängigkeit des Schweregrades des Sehnendefekts ist eine vorübergehende Boxenruhe erforderlich. Jedoch sollte möglichst frühzeitig und langsam steigernd mit Bewegungsreizen begonnen werden, um die für die Regeneration so wichtige Durchblutung des Pferdebeines anzuregen. Physiotherapeutische Maßnahme unterstützen den Heilungsprozess und vermeiden Verklebungen des erkrankten Sehnengewebes. Für einen nachhaltigen Erfolg sollte die Behandlung und Rehabilitation unter ganzheitlichen Gesichtspunkten erfolgen. Die Strukturen des Bewegungsapparats bedingen sich gegenseitig und sind auf einen korrekten Bewegungsablauf angewiesen. In der Humanmedizin erfolgt üblicherweise eine funktionelle Nachbehandlung mit Physiotherapie und Krankengymnastik, sodass die zugehörige und umliegende Muskulatur wieder gekräftigt wird, um den Sehnen eine erneute Belastung zu ermöglichen.

So kann ein Physiotherapeut/Osteopath für Pferde helfen
Viele Pferde haben Verspannungen. Diese können verletzungsbedingt sein, durch Fehlbelastungen ausgelöst, oder aber durch veränderte Trainingsbedingungen und unpassende Ausrüstung verursacht werden. Das Pferd nimmt eine Schonhaltung ein und verringert sein Bewegungsausmaß. Die Folge sind muskuläre Dysbalancen (Verklebungen, Verspannungen, Verkürzungen), welche auch nach ausgeheilter Verletzung bestehen bleiben und physiotherapeutisch behandelt werden sollten. Hierbei kommen verschiedene Massagetechniken zum Einsatz, die von den Pferden als angenehm empfunden werden. Die Massage löst Verklebungen des Gewebes und bewirkt eine lokale Durchblutungssteigerung mit den bereits genannten positiven Konsequenzen für den Heilungsverlauf beschädigten Sehnengewebes. Die Massage kann manuell erfolgen oder mittels Faszienrolle (z.B. RollArt oder Faszilette). Wichtig ist, immer auch die zugehörige Muskulatur zu „bearbeiten“. Gerade in der Stehzeit, während der Patient maximal geschont werden muss, können diese Techniken Verklebungen sanft lösen und effektiv zum Heilungsverlauf beitragen.

Durch sanfte Knetungen werden Verklebungen im geschädigten Sehnengewebe gelöst.
Foto: Julia Waldenmaier
Lösen des verklebten Sehnengewebes mittels Faszienrolle (hier: Faszilette). Für die Faszilette gibt es verschiedene Rollaufsätze, die man ganz einfach selbst wechseln kann.

Dehnungen werden korrekterweise an bereits aufgewärmter Muskulatur ausgeführt. Sie erfolgen nach vorangegangener Massage und unterstützen die Therapie durch Entspannen der Muskulatur, Verbesserung der Beweglichkeit, indem die Flexibilität des Muskels erhöht wird.

Ein gut gedehnter Muskel kann sich optimal kontrahieren und dehnen. Dies beugt letztendlich Verletzungen vor und kann zu Höchstleistungen beitragen.

Matrix-Rhythmus-Therapie: Hilfe bei verklebtem Stützgewebe
Mit der Matrix-Therapie erzeugt man mechanisch Schwingungen in körpereigenen Frequenzen und regt sanft die Eigenrhythmik von insbesondere Skelettmuskulatur und Nervensystem an (biomechaniche Stimulation). Das Gewebe im Behandlungsbereich wird besser durchblutet und mit Sauerstoff versorgt. Darüber hinaus wird der Lymphfluss angeregt und Stoffwechselabfallprodukte werden abtransportiert. Die Verbesserung des Gewebezustands ist grundlegend für dessen Regeneration (z.B. zur Therapie von Sehnenverletzungen). Mittels verschiedenen Aufsätzen können größere Muskelpakete oder feinere Strukturen wie Sehnen behandelt werden. Die Schwingungen regen sensorische Nerven (Propriozeptoren) an Muskelfaszien, Sehnen, Bindegewebe und Gelenkkapseln an. Dadurch werden Informationen über die Körperhaltung und Gelenkstellung im Raum an das Gehirn weiter geleitet. Körpergefühl und Bewegungsmuster werden dadurch verbessert. Dieser Therapieansatz kommt vor allem Pferden in der Rekonvaleszens zu gute kann aber auch präventiv zum Lösen von Verspannungen, den „Vorläufern“ ernsthafterer Bewegungseinschränkungen, eingesetzt werden.

Matrixtherapie: Mit verschiedenen Aufsätzen können sowohl große Muskelpakete als auch feinere Strukturen (z.B. Sehnen) gezielt erreicht werden.
Foto: Julia Waldenmaier

Tapes – Bunte Kleber zur Unterstützung der Sehnen
Aufgrund der passiven Stehvorrichtung sind die Zehengelenke unter natürlicher Zugspannung. Eine reale Entspannung erscheint schwierig, eine Detonisierung der Struktur ist aber möglich. Die Tapeanlage wird mit recht hohem Zug geklebt. Das fördert die Durchblutung der verletzten Struktur. Sehnenschäden entstehen zu allermeist durch eine hohe Zugspannung aufgrund der Erschöpfung bzw. Überlastung des zugehörigen Muskels. Eine detonisierende Tapeanlage am betreffenden Muskel bewirkt eine Entlastung der überlasteten Sehne. Sinnvollerweise sollte die Tapeanlage erst nach der akuten Schmerzphase geklebt werden.

Beispiel für eine Sehnen-Tapeanlage entlang oberflächlicher und tiefer Beugesehne. Zusätzlich wurde ein sedierendes Muskeltape am M. flexor digitalis profundus angelegt (auf dem Bild nicht zu sehen).

Aus osteopathischer Sicht macht es wenig Sinn, sich therapeutisch nur lokal auf die verletzte Sehne zu stürzen. Vielmehr wird hinterfragt, wie es zur Verletzung kommen konnte. Das heißt, dass die beteiligte Muskulatur ebenso behandelt wird wie sämtliche denkbare (bzw. vom Osteopathen fühlbare) Ursache-Folge-Kettenbeziehungen. Diese Überlegungen müssen sich bis ins Rehatraining durchziehen. So werden oberflächliche Beugesehne, Fesselträger und tiefe Beugesehne der Vordergliedmaße vom Nervus ulnaris innerviert. Letztere wird zusätzlich vom Nervus medianus innerviert. Diese Nerven sind Teil des Plexus brachialis, einem Nervengeflecht, das an der Innenseite des Schulterblatts und nahe der Rumpftragemuskulatur verläuft. Das Nervengeflecht steht in Verbindung mit den letzten beiden Halsnerven sowie dem ersten Brutstwirbel. Kein Wunder also, dass bei vorhandlastigen Pferden mit einer durchhängenden Brustwirbelsäule und vorverlagertem Brustbein Irritationen dieses Nervengeflechts auftreten. Unbehandelt können aufgrund weiterer Ursache-Folge-Ketten Probleme wie Koordinationsstörungen der Vorhand, gebundener Gang oder auch Sehnenprobleme auftreten.

Das übergeordnete Ziel der Osteopathie ist die Einflussnahme auf das autonome Nervensystem. So erscheint die Wirkung der Osteopathie nicht direkt sichtbar. Neben den strukturellen Aspekten befasst sich die Osteopathie u.a. mit den inneren Organen sowie den umgebenden Strukturen und deren Einfluss auf die Beweglichkeit des Körpers. Organfehlfunktionen oder äußere Einwirkungen (z.B. Schonhaltung) können die freie Beweglichkeit einschränken. Es entstehen Verspannungen oder Verklebungen, die langfristig zu chronischen Überlastungssymptomen führen. Das Lösen von Wirbel- und Gelenkblockaden stellt die Weichen, dass der Bewegungsapparat und Organtrakt wieder optimal versorgt werden können (Blut, Nerven, Lymphgefäße). Der Körper wird durch einen Impuls angestoßen sich selbst zu helfen und zu regenerieren. Durch sanfte manuelle Behandlung wird die freie Beweglichkeit wiederhergestellt und die Vitalität des Organs bzw. verbundener Strukturen verbessert.

Viele Tierbesitzer und Therapeuten schwören auf die Wirkung von Blutegeln. Bei Entzündungen steigt die Körpertemperatur (zumindest am lokal betroffenen Hautbereich an. Das veranlasst die Blutegel an der richtigen Stelle zuzubeißen. Der Therapeut wird sie von vornherein an der korrekten Stelle platzieren. Während des Saugvorgangs „übergibt“ der Blutegel mit seinem Speichel einen Cocktail verschiedener Wirkstoffe an den Wirt. Der Speichel enthält u.a. entzündungshemmende, durchblutungsfördernde, gerinnungshemmende, Gewebe lockernde und schmerzstillende Komponenten (u.a. Hirudin, Bdellin, Calin, Hyaluronidase). Das enthaltene Hirudin hat eine gerinnungshemmende Wirkung und sorgt dafür, dass sich die Bisswunde nicht verschließt. Daraus ergibt sich auch das teilweise recht lange andauernde, aber gewünschte, Nachbluten der Wunde – vergleichbar mit einem kleinen Aderlass. Zudem fördert der Speichelcocktail den Lymphabfluss, d.h. neben Blut tritt auch Lymphflüssigkeit aus der Bissstelle heraus und wirkt so einem Lymphstau im Gewebe entgegen [1]. Schwellungen lassen rasch. Dieses „Raum verschaffen“ wirkt ebenso der Verklebung von Sehnengewebe entgegen. Ist der Egel satt, lässt er sich fallen. Das kann u.U. sehr lange dauern und einiges an Geduld sowohl beim pferdigen Patienten als auch bei den beteiligten Personen erfordern.
Kaum zu glauben aber wahr: Blutegel sind verwöhnte Tiere! Anders als man glauben könnte sind Blutegel wahre Sensibelchen, denn sie beißen nicht wahllos immer zu. Kälte, Witterungsumschwünge, Transportstress, mit Salben oder Pflegeprodukten behandeltes Fell oder vorangegangene Medikation bedeuten für Blutegel wahren Stress und es kommt nicht selten vor, dass sie scheinbar nicht hungrig sind. Dann muss sich der Therapeut etwas einfallen lassen, im Winter bspw. unter dem Solarium behandeln, die Egel mit angewärmten Wasser befeuchten, mittels Damenstrümpfen am davonschlängeln hindern oder mit einer abgeschnittenen Spritzenspitze an der Bissstelle fixieren oder, oder, oder. Der Fantasie sind da manchmal keine Grenzen gesetzt.

Schmerzfreie Alternative: Die Low Level Laser Therapie (LLLT)
Der Low Level Laser (600-900 nm)) entwickelt aufgrund der niedrigen Leistungsdichte keine thermische Wirkung und ist damit völlig schmerzfrei. Das Licht hat nur eine bestimmte Wellenlänge. Es schwingt in derselben Phase bzw. synchron (Kohärenz). Der Laser bündelt das Licht und schickt es in eine vorgegebene Richtung. Dabei verlaufen die Strahlen nahezu parallel. Die Wirkung beruht auf der Aktivierung der gesunden zelleigenen Energiepotenziale. Die Zellen werden sozusagen angeregt in ihrem natürlichen Rhythmus zu schwingen. Als wichtige Voraussetzung für die Wirkungsweise des LLL muss das Licht die anzuregenden Moleküle treffen, um sie aktivieren zu können. Bei Sehnenverletzungen muss das Laserlicht Fell, Haut, subkutanes Gewebe und dann die Sehne durchdringen, um zum Ort des Geschehens zu gelangen. Haare reflektieren die Laserstrahlung, d.h. das Licht muss mit einer hohen Laserdichte von den Hautzellen absorbiert werden. Studien haben ergeben, dass eine vorherige Rasur die Eintringtiefe erhöht [2]. Diese Voraussetzung dürfte kein Problem darstellen, sind die Pferdebeine i.d.R. bereits durch den vorherigen Untersuchungsgang mittels Ultraschall durch den Tierarzt rasiert. Eine weitere nicht zu unterschätzende Rolle auf die Eindringtiefe des Laserlichts spielt die Pigmentierung der Haut. Heller pigmentierte Haut/Fell lässt das Laserlicht tiefer eindringen als eine dunklere Pigmentierung [3]. Mit zunehmender Hautdicke sinkt auch die Eindringtiefe. Im Rahmen dieser Studie wurde u.a. Laserlicht mit einer Wellenlänge 800 nm verwendet. Die Effekte werden bereits seit vielen Jahren erforscht [z.B. 4], trotzdem ist die Wirkungsweise noch nicht vollumfänglich erforscht und akzeptiert. Trotz allem ist ein klarer Trend in der Akzeptanz alternativmedizinischer Behandlungsmethoden zu beobachten. Schade eigentlich, denn jedes Fachgebiet hat seine Daseinsberechtigung und der Ansatz der ganzheitlichen Tiermedizin schaut über den Tellerrand und macht sich synergistische Effekte zu nutzen: Schulmedizinische Behandlungsmethoden werden mit komplementärmedizinischen Methoden kombiniert. Unser gemeinsames Behandlungsziel ist doch ein gesunder Patient! Welcher Weg nun nach Rom führte ist für die verbesserte Lebensqualität des Patienten völlig irrelevant und der Behandlungsansatz muss immer individuell dem Patienten, seiner Vorgeschichte und Situation angepasst, erfolgen.

Der Low Level Laser sendet niedrigenergetische Lichtimpulse, welche gestörte Stoffwechselprozesse auf zellulärer Ebene anregen. Im Gegensatz zu chirurgischen Lasern entsteht keine Hitzeeinwirkung und die Behandlung ist völlig schmerzfrei.
Foto: Evelyn Ozanna

Bei körperlicher Belastung oder Verletzung besteht Mehrbedarf, der über die reguläre Fütterung häufig nicht gedeckt wird. Ergänzende Fütterungsmaßnahmen runden das Behandlungskonzept ab. Im Entzündungsgeschehen können entsprechende Supplemente die Behandlung unterstützen (z.B. Teufelskralle, Arnika, Weidenrinde, Mädesüß, Vitamin D, Omega-3-Fettsäuren). Ginkgo und andere die Durchblutung fördernde Kräuter können die schmerzliche Zeit erträglicher machen. In der Regenerationsphase können sich nutritive Gelenkbausteine (z.B. Glucosamin- und Chondroitinsulfat, Hyaluronsäure, Kollagenhydrolysat) positiv auf den Heilungsverlauf auswirken. Die ernährungsmedizinische Versorgung unterstützt einen schnelle und vollständige Ausheilung der Sehnen. Hierzu sind Nährstoffe mit unterschiedlichen Eigenschaften und Funktionen erforderlich, welche den Sehnenstoffwechsel auf ernährungsphysiologische Weise günstig beeinflussen können. Bei körperlicher Belastung oder Verletzung besteht ein Mehrbedarf (z.B. Vitamin C + E, ß-Carotin), der über die reguläre Fütterung häufig nicht gedeckt wird. Zunehmend rückt auch die Mykotherapie in den Vordergrund der alternativen Heilmethoden. Vitalpilze enthalten sogenannte ß-Glukane und weitere bioaktive bzw. stoffwechselregulierende Substanzen. Sie sind reich an Spurenelementen und Vitaminen. Auricularia (Chin. Morchel) fördert die Durchblutung, Reishi wirkt entzündungshemmend und trägt ebenso zur verbesserten Blutversorgung der Sehnen und Gelenk bei. Pleurotus trägt zur Stärkung von Sehnen und Bändern bei.

Pulsierende Magnetfeldtherapie als therapeutische Begleitmaßnahme
Ein funktionierender Blutkreislauf dient der Aufrechterhaltung der Körperfunktionen. Die Mikrozirkulation (Durchblutung kleinster Gefäße) sichert den Stoffaustausch zwischen Blut und Gewebe. Ist die Mikrozirkulation beeinträchtigt, so führt das zur Minderversorgung der umliegenden Zellen. Die Zellen altern schneller, da sie nicht ausreichend mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgt werden und Abbauprodukte nicht angemessen abtransportiert werden. Krankhafte und altersbedingte Prozesse können die Gefäße schädigen und den Blutfluss beeinträchtigen. Hier setzt die pulsierende Magnetfeldtherapie an. Elektrisch erzeugte magnetische Wechselfelder fördern die Durchblutung und aktivieren den Zellstoffwechsel. Aufgrund der Durchblutungssteigerung wird die Versorgung von Organen und Geweben verbessert. Gleichzeitig wird der Lymphabfluss gesteigert und Giftstoffe ausgeleitet. Dieser “Energieschub” fördert den Genesungsprozess und stärkt das Immunsystem. In der Regel wird bei Sehnenproblemen eine Magnetfeldapplikation verwendet, die eine Decke (systemische Wirkung) mit einer Gamasche (lokale Wirkung) kombiniert.Der Markt ist voll mit verschiedenen Magnetfeldsystemen und man sollte sich nicht ausschließlich auf werbetechnische Versprechungen stützen. Ein seriöser Therapeut erklärt dir die technischen Unterschiede der vielen Magnetfeldsysteme, deren Anwendungs- und Wirkungsweise.

Die Anwendung eines pulsierenden Magnetfeldsystems ist unkompliziert, schmerzlos und kann nach kurzer Einweisung durch den Therapeuten vom Pferdebesitzer selbst durchgeführt werden. Viele Therapeuten vermieten ihre Magnetfeldsysteme. >>> Hier erfährst du mehr über die pulsierende Magnetfeldtherapie <<<

 Foto: Julia Waldenmaier

Was der Pferdebesitzer selbst tun kann
Kalte Güsse (ca. 10-15°C) sind ein bewährtes durchblutungsförderndes Mittel und einfach in der Handhabung. Der Wasserstrahl sollte mit möglichst wenig Druck aus dem Schlauch entweichen und ca. 10 cm von der Körperoberfläche gehalten werden. Kurzzeitig angewendet (ca. 10 Minuten) bewirkt die Kältetherapie eine Entstellung der Blutgefäße, der Wärmeabstrom aus der Haut verringert sich. Anschließend steuert der Körper entgegen, indem sich die Gefäße weiten und die Durchblutung ansteigt. Die Kälte kann auch über das Abstreifen mit einem Eislolly oder einen in kaltem Wasser getränkten Umschlags (z.B. Hydroaktiv Gamasche von MuliMann) zugeführt werden. Eine weitere Möglichkeit ist die Verwendung einer Kühlgamasche (z.B. Equitherm Gamasche/Stassek). Hierfür wird die Gamasche für einige Stunden in den Kühlschrank gelegt und anschließend via Klettverschluss am Pferdebein angelegt. Durchblutungsfördernde Pasten (z.B. essigsaure Tonerdepasten) können schnell aufgetragen werden und bröseln nach dem Trocknen von selbst ab bzw. lassen sich leicht ausbürsten. Die Kältetherapie eignet sich besonders im akuten Entzündungsgeschehen und sollte nur kurzzeitig angewendet werden. Eine längere Anwendungszeit kann zu lokalen Erfrierungen und Gewebenschäden führen.

Kalte Güsse sind ein bewährtes durchblutungsförderndes Mittel und einfach in der Handhabung.
Foto: Stassek
Die wiederverwendbare Thermo-Gamasche eignet sich zum Kühlen oder Wärmen von Pferdebeinen gleichermaßen. Die kühlende bzw. wärmende Wirkung hält mehrere Stunden an. Dazu wird sie für einige Stunden in den Kühlschrank gelegt bzw. in der Mikrowelle erwärmt.
Durchblutungsfördernde Pasten (z.B. essigsaure Tonerde) können schnell aufgetragen werden. Nach dem Trocknen bröseln sie von selbst ab bzw. lassen sich leicht ausbürsten.

Ice Vibe Gamaschen – präventive Helferlein, die auch in der Rehabilitation wahre Dienste leisten.
Bei den Ice Vibes handelt es sich um wiederaufladbare Vibrationsgamaschen. Der Massageeffekt kurbelt die Blutzirkulation an. Die Ice Vibes können zusätzlich mit einer Kühlgamasche versehen werden, um Schwellungen zu reduzieren und die Blutzirkulation anzuregen. Der Kühleffekt verlangsamt die Blutzirkulation (Schwellungen vermeiden), während die Massage den Lymphabtransport stimuliert, Entzündungsbotenstoffe abtransportiert und damit den Heilungsprozess des beschädigten Sehnengewebes unterstützt. Die Ice Vibe-Gamaschen können auch als Präventivmaßnahme vor dem Training eingesetzt werden. Durch die erhöhte Blutzirkulation werden Sehnen und Bänder auf den bevorstehenden Bewegungsreiz vorbereitet und gewinnen an Elastizität und Geschmeidigkeit. Gleichzeitig wird das Verletzungsrisiko minimiert.
Das Ice Vibes- System ist einfach zu bedienen: Kühlgamasche anlegen (sollte zuvor im Kühl-/Gefrierschrank gelegen haben ;-)) und zukletten. Gamasche darüber anlegen und Vibration mittels Steuerknopf an-/ausschalten. Es stehen 3 verschiedene Vibrationsprogramme zur Verfügung.

Die Ice Vibe Gamaschen kombinieren Massage- und Kühleffekt. Einige Therapeuten stellen diese Helferlein für Regeneration und Prävention zur Miete zur Verfügung.

Sehnenverletzungen bei Pferden ziehen meist eine lange Genesungsphase nach sich. Je nach Art und Schweregrad der Verletzung müssen die Pferde bis zu einem Jahr kontrolliert im Schritt auf festem Boden bewegt werden. Gerade der Übergang von der Boxenruhe zur kontrollierten Bewegung ist ein Balanceakt. Hier kann z.B. die TSM vet-Reha Fesselgelenkbandage (ist aber eher eine stützende Gamasche) den Heilungsverlauf aktiv unterstützen. Es handelt sich um eine anatomisch geformte Neoprengamasche mit einer tapeartigen Gurtung, die aus unelastischem und teils elastischem Material besteht. Diese Gurtung wirkt als Stabilisator bei Verletzungen der oberflächlichen Beugesehne und des Fesselträgers, sowie bei Seitenbandverletzungen.

Foto: AET GmbH
Die TSM vet-Reha Fesselgelenksbandage ist für die kontrollierte Schrittbewegung in der Rekonvaleszens konzipiert. Bei durchtrittigen Pferden kann sie auch zur Prophylaxe eingesetzt werden.

Wärmegamaschen sorgen insbesondere in der feucht-kalten Jahreszeit für wohltuend wärmende Unterstützung von Muskeln, Sehnen, Bändern und Gelenken.
Der Körper strebt danach, möglichst wenig Energie zu verschwenden. Gerade bei Kälte ist der Energiebedarf aufgrund des Wärmeumsatzes erhöht. Zuerst werden die lebenswichtigen Organe versorgt, erst in zweiter Instanz die Extremitäten. Auch wir Menschen neigen im Winter zu kalten Händen und Füßen, also denjenigen „Organen“, die nicht zwingend überlebensnotwendig sind und am entferntesten Punkt des Körpers liegen. Ähnlich verhält es sich beim Pferd. Dass Pferde Lauf- und Fluchttiere sind und auf die Funktion ihrer 4 Beine angewiesen sind, weiß jeder Pferdebesitzer. Zunehmendes Alter, Verletzungen oder Stoffwechselerkrankungen tragen dazu bei, dass die Pferdebeine „vorbelastet“ sind. Die Durchblutung ist eingeschränkt und im fortschreitenden Erkrankungsgeschehen müssen Sehnen, Bänder und Gelenke darunter leiden. Genau dann machen Wärmegamaschen Sinn. Regelmäßig angewendet, kann das Mehr an Wärme dabei helfen, den Bewegungsapparat beweglicher und geschmeidiger zu halten. Die Anwendung von Wärme führt zu einer Steigerung der Stoffwechselaktivität im Gewebe, die einen erhöhten Bedarf an Nährstoffen und Sauerstoff bewirkt. Körpereigene Mechanismen sorgen dafür, dass sich die Blutgefäße erweitern, um den erhöhten Nähr- und Sauerstoffbedarf zu decken. Der Abtransport von Stoffwechselprodukten (Schlacken) wird gesteigert. Die Wärme sorgt zudem dafür, dass die Nervenzellen Impulse sensibler empfangen und besser weiterleiten. Durch diese Überstimulation wird der Schmerz weniger stark wahrgenommen. Die höheren Temperaturen sorgen für Elastizität und Flexibilität des Sehnengewebes. Die Dehnungsfähigkeit wird deutlich gesteigert und die abgedeckten Bereiche/Strukturen können schneller entspannen, regenerieren bzw. ausheilen.

Der Markt bietet eine Fülle an Wärmegamaschen. Empfehlenswert sind Gamaschen aus Wollwalk (z.B. Wärmegamaschen/MuliMann), welche sich der Anatomie des Pferdebeins gut anpassen. Wolle ist bekannt für ihre Temperatur- und Feuchtigkeitsregulation. Zudem nimmt sie Schmutz und Gerüche schlechter an als Kunstfasern. Im Gegensatz dazu erzeugen Gamaschen mit Infrarotwärme-Effekt (z.B. Vitandar, BOT) eine Tiefenwärme im Gewebe und verbessern so die Blutzirkulation. Die Infrarot-Technologie bewirkt eine erhöhte Sauerstoffzufuhr im Blut und die Zellen können die Schlackenstoffe besser abtransportieren. Der Körper gibt stetig Wärme in Form von Infrarotstrahlung ab. Diese Energie geht dem Organismus normalerweise verloren. Der Keramikstoff fängt diese Energie aufgrund einer speziellen Materialmix-Membran ab und reflektiert sie zum Körper zurück. Der Gelenkausschnitt der Vitandar Stallgamaschen schränkt nicht in der Bewegung ein und lässt ein Beugen der Beine zu.
Beide Gamaschen haben dasselbe Ziel: Körperwärme halten. Die Wärme wirkt sich positiv auf die Beweglichkeit der Knochen und Gelenke aus. Häufig sind von Arthrose betroffene Gelenke besonders bei kaltem Wetter schmerzhaft. Die Gamaschen eignen sich sowohl präventiv bei bekannten Sehnen- und Gelenkproblemen, in der Regenerationsphase nach dem Training, als auch als Begleitmaßnahme in der Rekonvaleszens.

Die MuliMann Wärmegamaschen profitieren von den Vorteilen der Schurwolle: Sie sind atmungsaktiv, wärmerückhaltend und feuchtigkeitsregulierend. Sie passen sich dem Pferdebein gut an und können etwas höher getragen und bis zum Kronrand runtergezogen werden.

Sehnenproblemen vorbeugen
Sehnen sind schlechter durchblutet als andere Gewebearten. Ein korrektes Auf- und Abwärmen sollte im Trainingsalltag selbstverständlich sein. Nur wenn sich die Sehnen (und natürlich auch weitere Strukturen) vor der Arbeit genügend aufwärmen können (15-20 Minuaten), ist ihnen eine gewisse, aber doch notwendige Elastizität gegeben, welche die Gefahr vor Verletzungen minimiert. Andernfalls muss sich die wenig elastische Sehne dennoch dehnen, obwohl ihr das noch gar nicht möglich ist. Ebenso wichtig wie Aufwärmen ist das Abwärmen. Zahlreiche Stoffwechselvorgänge warten auf Unterstützung (z.B. Abtransport von Stoffwechselprodukten, Abbau von Laktat, Neuverteilung des zirkulierenden Blutes wird durch moderate Herzfrequenz unterstützt.). Bleibt die Durchblutung der Arbeitsmuskulatur nach Belastungsende weiterhin zu hoch, werden Muskelsteifheit/-schmerzen begünstigt (Achtung, Verspannungen können genau was begünstigen? Wer hat aufgepasst? ;-)). Abwärmen dient der Regeneration (Wiederherstellung der Leistungsreserven) und der Vorbereitung auf die nächste Belastungsphase. Ungenügendes Abwärmen verzögert die Regeneration und schränkt die Anpassungsbreite ein. Die Abwärmphase sollte min. 15 Minuten betragen.

>>> Hier erfährst du mehr über die Wichtigkeit des Auf- und Abwärmens bei Pferden <<<

Bei der Trainingsgestaltung sollte beachtet werden, dass eine Zunahme der Muskelkraft durch eine adäquate Anpassung der Sehnen begleitet werden muss. Nur so kann das Sehnengewebe der übermäßigen Beanspruchung infolge der auftretenden Dehnung stand halten. Im Gegensatz zur Muskulatur passt sich Sehnengewebe nämlich nur vergleichsweise langsam den neuen Gegebenheiten an.

Ausbalancierte Hufe sind das Fundament unserer Pferde. Eine adäquate und regelmäßige Hufbearbeitung bzw. -beschlag ist für gesunde Sehnen, Bänder und Gelenke unabdingbar.
Das Equipment darf das Pferd nicht in seiner Bewegungsmöglichkeit einschränken! Eine regelmäßige Überprüfung und ggf. Anpassung des Sattels sollte selbstverständlich sein.
Du bist was du isst! Du musst für eine bedarfsgerechte Fütterung sorgen und auf eine ausreichende Versorgung mit Nähr- und Vitalstoffen achten.
Pferde sind Lauftiere. Regelmäßige, gleichmäßige Bewegung hält ihre Sehnen, Bänder und Gelenke in Schuss.

Stabilität und Balance – der Einfluss der Tiefenmuskulatur
Die Rumpfmuskulatur besteht aus tiefen und oberflächlich gelegenen Muskelpaketen. Während die Oberflächenmuskulatur den Pferdekörper formt und bewegt, kommt der Tiefenmuskulatur eine ebenso wichtige wenn nicht bedeutsamere Funktion zu. Die Tiefenmuskulatur kümmert sich um Stabilitäts- und Positionskontrolle und gibt dem Pferdekörper Haltung und Balance. Im Gegensatz zur „schönen und formgebenden“ Oberflächenmuskulatur können die Haltemuskeln nicht willkürlich angespannt werden und sind rein reflektorisch gesteuert. Sie schützt so indirekt die Sehnen und Gelenke und wirkt Abnutzungserscheinungen entgegen. Um die Tiefenmuskulatur zu aktivieren eignen sich verschiedene Bodenverhältnisse oder Balanceübungen auf einer instabilen Unterlage.

 

Mit jeder Bewegung bzw. Positionswechsel verändert sich der Körperschwerpunkt. Der Körper wird immer wieder aus dem Gleichgewicht gebracht. Das Zusammenspiel von Gehirn, Nerven und Muskulatur gewährleistet einen flüssigen Bewegungsablauf und schützt den Körper vor Verletzungen. Mit den Balance Pads lassen sich Trittsicherheit, Gleichgewicht und Koordination und damit die Stabilität des Pferdekörpers verbessern.
>>> Hier erfährst du mehr über die Anwendung der Balance Pads <<<

Welche Therapiemethode Anwendung findet und wie viele Sitzungen schlussendlich durchgeführt werden müssen hängt individuell vom Patienten ab. Man kann jedoch ganz klar sagen: für einen nachhaltigen und möglichst und unkomplizierten Heilungsverlauf ist die Compliance des Besitzers notwendig und dessen Durchhaltevermögen die „Hausaufgaben“ konsequent zu erledigen. Je enger Pferdebesitzer, Tierarzt, Hufschmied und andere beteiligte Personen und Therapeuten zusammenwirken, desto besser der Heilungsverlauf und nachhaltiger das Ergebnis.

Literatur

  • [1]: Hauswirth S. (2014): Hirudopunktur – Akupunktur mit Blutegeln. ZGTM, 28 (4), 121-126.
  • [2]: Ryan T., Smith RKW (2007): An investigation into the depth of penetration of low level laser therapy through the equine tendon in vivo. Ir. Vet. J., 60 (5), 295-299.
  • [3]: Duesterdieck-Zellmer K, Larson K., Plant T., Sundholm-Tepper A., Payton M. (2016): Ex vivo penetration of low-level laser light through equine sknin and flexor tendons. Am. J. Vet. Res., 77 (9), 991-999.
  • [4]: Yamada H., Kameya T., Abe N., Miyahara K. (1989): Low level laser therapy in horses. Laser Therapy, 1 (1), 31-35.

Hinweis: Dieser Beitrag stellt einen Auszug möglicher Behandlungsansätze dar und gibt keinen Anspruch auf Vollständigkeit aller Therapiemethoden.

Magnetfeldtherapie – Physik oder Humbug?

Die Magnetfeldtherapie erlaubt ein vielfältiges Anwendungsspektrum, da elektrische Ladungen im Körper allgegenwärtig sind. Fragst du dich gerade was Körperzellen mit elektrischer Ladung zu tun haben?
In jedem Lebewesen befinden sich elektrisch geladene Teilchen (Ionen), deren Bewegungen zu elektrischen Strömen führen. Beim Mensch können solche Ströme z.B. mittels EKG (Echokardiogramm) am Herz oder EEG (Elektroenzephalografie) am Gehirn gemessen werden.

Foto: Julia Waldenmaier Fotografie

Der Ruhezustand einer Zelle sieht so aus:
Im Inneren befinden sich elektrisch geladene Kalium-Atome, außen an der Wand haften elektrisch geladene Natrium-Atome. Wird die Zelle erregt, kommt es zum Ladungsaustausch. Natrium dringt in die Zelle ein und die elektrische Spannung innerhalb der Zelle steigt. Um die Balance wiederherzustellen strömt Kalium aus der Zelle raus. Bei sämtlichen Stoffwechselvorgängen werden derartige Teilchen verschoben und die Nerven leiten Signale in Form von elektrischen Impulsen weiter. Die Nerven- oder Muskelzellen werden gereizt , indem bestimmte Wirkungsschwellen überschritten werden.

Krankheiten oder im weitergehenden Sinne “Blockaden” können das Gleichgewicht dieser elektrischen Prozesse stören. Das führt zu funktionalen Beeinträchtigungen und körperlichen Beschwerden.

Alle Funktionen des Körpers werden durch Zellen erzeugt.
Dabei haben nicht alle Zellen dieselbe Funktion. Was macht so eine Zelle?Man kann sich eine Zelle als Pumpstation vorstellen: Sie nimmt Nährstoffe auf, die sie für die Körperfunktionen benötigt, für welche sie zuständig ist. Diese Nährstoffe verteilt die dorthin wo sie gebraucht werden. Gleichzeitig führt sie den “Müll” (Schlackenstoffe) wieder ab. Zellen können somit als eigene Energiequelle gesehen werden, die mit Eigenstrom funktioniert.

Gesunde Zellen haben einen Eigenstrom von etwa 70mV. Sinkt die Energieab, haben Krankheiten leichtes Spiel. Blockaden treten überall dort auf, wo eine ausreichende Versorgung der Organe, Muskeln und Gelenke sowie die Ausleitung von Schlackenstoffen nicht mehr gewährleistet ist.

Warum sinkt der Energiegehalt einer Zelle?
Hieran können zahlreiche Faktoren beteiligt sein: Umweltbelastungen (z.B. Toxine, Elektrosmog), schlechte Haltungsbedingungen, Bewegungsmangel , zu wenig Sonnenlicht, Verletzungen, vererbte Schwächen usw.

Das niederenergetische pulsierende Magnetfeldsystem 
Es wird ein schwaches Magnetfeld erzeugt, das dem natürlichen Erdmagnetfeld angepasst ist. Dieses transportiert Impulse (Bemer verwendet hierfür das Wort “Signal”;-)). Diese Impulse werden im Steuergerät erzeugt und mittels in die Applikatoren (Decke, Gamaschen, Halsteil usw.) eingebrachte Spulen in den Körper geleitet.

Weiter oben haben wir gelernt, dass verschiedene Zellen und Krankheiten unterschiedliche Eigenschwingungen bzw. Frequenzen aufweisen (angegeben in “Hertz”=Hz). Zur Einleitung dieser Impulse wurden besondere Impulsformen entwickelt (z.B. Rechteckimpuls), welche die Zellen anstoßen, sodass dieses wieder ihre volle Energie aufladen können. Die Schwingung wird als Sinuswelle dargestellt.

Die erzeugten Impulse müssen diese Sinuswelle nun möglichst weitgefächert treffen, um eine Wirkung zu erzielen. Um dieses “biologische Wirkfenster” zu treffen, muss der Hersteller Einwirkzeit, Frequenz und die Stärke des Magnetfelds (angegeben in Tesla) in Einklang bringen.

Foto: Julia Waldenmaier Fotografie

Der Unterschied zwischen pulsierenden und einem statischen Magnetfeldsystemen

Bei einem statischen Magnetfeld sind physische Magneten in das Textil eingearbeitet. Sie erzeugen ständig und ohne Variation das gleiche Magnetfeld und sind sozusagen immer an (Dauermagnet). Eine gezielte Therapie erscheint aufgrund einer fehlenden Feinjustierung fraglich. Beim pulsierenden Magnetfeldsystem sind Spulen in das Textil (Kissen, Matten, Decken, Gamaschen usw.) eingearbeitet, die in Sekundenbruchteilen durch Stromstöße magnetische Felder aufbauen. Mit pulsierend ist die variierende Schwingungsstärke gemeint. Die betroffenen Stellen sind einem schwachen magnetischen Feld ausgesetzt. Das Magnetfeld breitet sich wellenartig aus und der erzeugte Stromfluss regt die Reizweiterleitung der Nervenzellen an.

Vor- und Nachteile der pulsierenden Magnetfeldtherapie

Die magnetischen Impulse dringen tief ins Gewebe ein und beeinflussen das Energiepotential der Zellen. Der Zellstoffwechsel wird angeregt wodurch eine lokale (im Einflussbereich der Spule/Textil) Durchblutungssteigerung und Zellvermehrung ausgelöst wird.

Je nach Gerät und Hersteller lassen sich sowohl die Stärke des elektrischen Feldes als auch die Frequenz individuell einstellen. Dies ermöglicht eine gezielte Einwirkung auf unterschiedliche Beschwerden. Die Vitalisierung des Körpers (des Geistes und der Seele, wie man es “ganz grün” ausdrücken würde) trägt zur Harmonisierung der Lebensfunktionen bei und damit ganz klar zu einer gesteigerten Immunabwehr – die Voraussetzung für einen gesunden Allgemeinzustand. Und der wiederum ist für eine Leistungserbringung nicht wegzudenken!

Die Magnetfeldtherapie sollte wie jede andere therapeutische Behandlungsmaßnahme durch einen Therapeuten/Tierarzt begleitet werden, sodass der sinnvolle Einsatz gemeinsam erörtert werden kann.


Besser im Gleichgewicht – Balance Pads für Pferde

Balance Pads sind wahre Stabilitätstrainer. Indem man den Pferdekörper absichtlich aus dem Gleichgewicht bringt, muss dieser seine Tiefenmuskulatur „aktivieren“, um diese Schiefe auszugleichen. Diese Muskulatur ist essentiell wichtig, um Sehnen, Bänder und den ganzen Körper zu stabilisieren.

Wie wirken die Balance Pads?
Das Stehen auf den flachen, weichen Schaumstoffmatten fordert den Gleichgewichtssinn und verbessert die Koordination. Um die Balance auf dem „beweglichen Untergrund“ zu halten, sind ständige Ausgleichsbewegungen erforderlich. Das stärkt den Rumpf, da Bauch- und Rückenmuskeln gleichermaßen arbeiten müssen. Dabei wird insbesondere die Tiefenmuskulatur (Haltemuskeln) angesprochen. Man spricht hierbei von propriozeptivem Training, d.h. Wahrnehmung und Reaktionsfähigkeit werden geschult. Der Körper verfügt über Rezeptoren der Tiefensensibilität (Propriozeptoren). Sie geben wichtige Informationen über die Körperhaltung sowie Muskel- und Gelenkspannung an das Gehirn weiter, welches dann Befehle an die Muskulatur weitergibt (z.B. anspannen). Die Geschwindigkeit der Informationsübermittlung, kann man trainieren. Je schneller also die Reaktionsfähigkeit des Pferdes, desto größer auch der Schutz vor Verletzungen.

Du wirst erstaunt sein wie schnell und positiv dein Pferd auf die Balance Pads reagiert. Üblicherweise entspannen die Pferde schon nach kurzer Zeit, was du z.B. durch Kauen, Gähnen oder geschlossene Augen bemerkst. Viele Pferde schaukeln ihren Körper regelrecht hin und her.

Hierbei wird die Koordinationsfähigkeit trainiert. Das Pferd lernt schnell auf Veränderungen im Untergrund zu reagieren. Das schult die Wahrnehmung für den eigenen Körper und sorgt dafür, dass die motorische Reaktion (Bewegung) auf einen wahrgenommenen Reiz zielgerichteter gesteuert und kontrolliert wird.

Für wen sind die Balance Pads geeignet?
Für „Körperkläuse“, also große schlaksige Pferdetypen, denen es schwer fällt, den eigenen Körper und die 4 Beine zu sortieren. Das Pferd bekommt ein besseres Bewusstsein für seinen Körper.

Das solltest du beachten:
Die Balance Pads sind Helferlein im Rahmen der Physio- und Ergotherapie und kein bloßes „Spielzeug“. Sie verbessern die Sensomotorik, also das Zusammenspiel von Hirn- und Nervenaktivität und Bewegungsabläufen. Führe dein Pferd langsam und bedacht an das Training mit den Balance Pads heran. Das Pferd gibt das Tempo vor: Die jeweilige Trainingsdauer hängt vom jeweiligen Pferd und seinen körperlichen Voraussetzungen ab. Du kennst dein Pferd am besten: Achte auf die Mimik und die Reaktionen deines Pferdes. Beginne minutenweise mit einem Bein und steigere das Pensum allmählich.

Nicht bei akuten Verletzungen und Entzündungen oder direkt nach einer OP anwenden! Idealerweise stimmst du das Training mit den Balance Pads mit deinem Tierarzt und/oder Pferdephysiotherapeuten ab und lässt dir die Anwendung zeigen.


Ich persönlich verwende gerne die MOVIT Balance Pads, weil sie sich als robust erwiesen haben und breit genug sind, sodass auch zappelnde Pferdehufe nicht gleich neben sondern dennoch auf dem Balance Pad stehen. Geübte Kandidaten stehen auch mit beiden Vorderhufen auf einem Balance Pad.

Über die Wichtigkeit der Lösungsphase und des Abwärmens

Die Lösungsphase soll das Pferd körperlich und psychisch auf die sportliche Belastung vorbereiten. Genau genommen stellt sich das Organsystem auf die höhere Beanspruchung ein, die Steuerungs- und Kontrollprozesse der Nervenzellen werden vorbereitet und das Pferd kann sich emotional auf die bevorstehende Anstrengung und Leistung einstellen. Nur so ist Leistungssteigerung überhaupt möglich und das Verletzungsrisiko wird minimiert.

Das passiert beim Aufwärmen:

  • Herzfrequenz und Blutdruck steigen an
  • Das Herzminutenvolumen, also das Blutvolumen, welches das Herz pro Minute in den Kreislauf pumpt, steigt an. Die Atmung wird tiefer.
  • Das Atemminutenvolumen, also das Volumen an Atemluft, welches pro Minute ein- bzw. ausgeatmet wird, steigt an.
  • Körpertemperatur steigt an
    →Das Pferd läuft auf „Betriebstemperatur“, d.h. Muskulatur und Bindegewebe haben ihre optimalen Arbeitsbedingungen erreicht.
  • Der Stoffwechsel wird angeregt.
    →Der Körper schüttet entsprechende Hormone und Botenstoffe aus.
  • Aufmerksamkeit und Motivation steigen

Foto: pixabay.com

Für die Aufwärmphase sollten mindestens 15, besser 20 Minuten eingeplant werden. Kreislauf und Atmung müssen sich vom Ruhemodus auf Arbeit umstellen. Die lockernde, lösende Bewegung sorgt auch für ausreichend Synovialflüssigkeit (“Schmiere”) im Gelenk. Kann der Knorpel nicht gleiten, erhöht sich die Reibung und Verschleißerscheinungen (z.B. Arthrose) werden begünstigt. Die Lösungsphase soll das Pferd für die bevorstehende Arbeit vorbereiten und nicht ermüden. Zu hohe Belastung bereits während des Lösens verbraucht unnötig Kräfte, welche dann für die eigentliche Aufgabe nicht mehr zur Verfügung stehen (z.B. viele Sprünge auf dem Abreiteplatz).

Dem Abwärmen sollte die gleiche Wichtigkeit wie dem Lösen beigemessen werden. Einfach nur austraben und Schritt gehen, reicht oftmals nicht aus. Die Stoffwechselvorgänge warten auf Unterstützung (z.B. muss das zirkulierende Blut neu verteilt werden. Bleibt die Durchblutung nach Belastungsende weiterhin hoch und wird nicht auf ein moderates, angepasstes Maß zurückgefahren, werden Muskelverspannungen begünstigt. Das gezielte Abwärmen leitet die Regeneration, also die Wiederherstellung der Leistungsreserven, ein und initiiert damit die Vorbereitung für die nächste Belastungsphase. Nach dem Ritt ist vor dem Ritt! In der Abwärmphase sollte der Stoffwechsel aerob arbeiten, sodass Stoffwechselrückstände (z.B. Laktat) zügig abtransportiert werden. Für das Cool Down sollte mindestens so viel Zeit wie für das Aufwärmen investiert werden. Zur Abwärmphase gehört auch die „Nachsorge“, sprich die Kontrolle auf etwaige Verletzungen oder Überbeanspruchung. Damit wird der Grundstein zur Regeneration gelegt, bspw. Durch Abkühlung, Ausgleich des Wasserhaushalts oder Auffüllen der Energiereserven durch geeignete Fütterung.

Nun beginnt die eigentliche Regeneration und körperliche Trainingsanpassung, welche die Grundlage für den Erfolg der nächsten Trainingseinheit bildet. Ungenügendes Cool down verzögert die Regenerationsphase und schränkt die körperliche Anpassungsbreite ein. Nach ungewohntem Bewegungstraining sollte Muskelkater mit einkalkuliert werden. Hier sind physiotherapeutische Maßnahmen sinnvoll!