Physiotherapie und Fütterungsberatung – Was mache ich da eigentlich?

Immer wieder werde ich gefragt wie eine Fütterungsberatung eigentlich abläuft und in welchem Zusammenhang das zu meiner Tätigkeit als Pferdephysiotherapeutin steht. Warum frage ich im Rahmen einer Fütterungsberatung Informationen zum Reitverhalten des Pferde ab? Und warum mache ich bei Physioterminen zumindest einen kurzen Futtercheck? Manch einer mag es nicht glauben. Es bestehen enge Zusammenhänge zwischen der Fütterung und dem Bewegungsapparat unseres Pferdes.

Sämtliche Strukturen des Körpers wie bspw. Knorpel, Knochen oder Sehnen benötigen physiologische Reize (z.B. Bewegung), um ihre Funktionen auszuführen. Zur Ausübung dieser Funktionen werden “Nahrungsbausteine” benötigt. Das sind z.B. Nährstoffe, die als Cofaktoren für allerlei Stoffwechselvorgänge verwendet werden. Ferner benötigt der Körper Energie, um diese Stoffwechselreaktionen überhaupt umsetzen zu können. Für einen reibungslosen Ablauf der Körperfunktionen muss also ein ausgewogenes Verhältnis von Angebot und Nachfrage von Nahrungsbausteinen vorliegen. Über die Fütterung kann ein enormer Einfluss auf die Körperfunktionen und den Bewegungsapparat des Pferdes genommen werden.

Neben den strukturellen Aspekten befasst sich die Osteopathie u.a. mit den inneren Organen sowie den umgebenden Strukturen und deren Einfluss auf die Beweglichkeit des Körpers. Die Organe sind über bindegewebige Fasern miteinander verbunden. Innerhalb dieser sind sie beweglich und haben ihren eigenen Rhythmus (z.B. Atemrhythmus der Lungen), welchen der Osteopath spüren kann. Organfehlfunktionen oder äußere Einwirkungen (z.B. Schonhaltung) können die freie Beweglichkeit einschränken. Es entstehen Verspannungen oder Verklebungen, die langfristig zu chronischen Überlastungssymptomen führen. Durch sanfte manuelle Behandlung wird die freie Beweglichkeit im Bauch- und Brustraum wiederhergestellt und die Vitalität des Organs bzw. verbundener Strukturen verbessert.

Der gesamte Verdauungstrakt ist eng mit dem vegetativen Nervensystem verbunden. Stimmung und Darmtätigkeit beeinflussen sich gegenseitig. Pferde mit Verdauungsproblemen sind häufig verspannt und wirken erregt bzw. gestresst, lassen sich ungern gurten oder sind gar kitzelig. Wer weiß, dass der Darm eines Pferdes den Großteil des Bauchraumes auskleidet, dem wird klar, dass ein “kitzeliges” Pferd eventuell Bauchschmerzen haben könnte. Permanente Bauchschmerzen führen zu Verspannungen, ein ungeübter Reiter oder unpassendes Equipment kann sein Übriges dazu beitragen. Und schupps hat das Pferd eine Blockade an einer ferngelegenen Stelle, die in erster Linie nicht auf ein Verdauungsproblem hindeutet. Umgekehrt kann auch ein unpassender Sattel zu Verspannungen führen, die (irgendwann) in Verdauungsproblemen münden. In den meisten Fällen ist es sogar eine Kombination verschiedener Dinge. Aber wer zuerst da war – das Huhn oder das Ei – darüber lässt sich meist spekulieren. Blockaden müssen gelöst und Ursachen behoben werden. Damit das nachhaltig geschehen kann, ist meiner Erfahrung nach ein ganzheitlicher Lösungsansatz unerlässlich. Die Fütterung hat unmittelbaren Einfluss auf die Gesundheit unserer Pferde, daher ist die Fütterungsberatung ein unabdingbarer Bestandteil meiner Tätigkeit.

Beispiel: Bei Sehnenproblemen werde ich mich nicht lokal nur auf die verletzte Sehne stürzen, sondern auch hinterfragen, wie es dazu gekommen ist. Das heißt, dass die beteiligte Muskulatur ebenso behandelt wird wie sämtliche denkbare Ursache-Folge-Kettenbeziehungen. Diese Überlegungen müssen sich bis ins Rehatraining durchziehen. Ergänzende Fütterungsmaßnahmen runden das Behandlungskonzept ab.